#6 Überfahrt nach Afrika

Wasser hat keine Balken! Und das ist gut so. Der Nordostpassat hat uns weiter fest im Griff. Bei Windstärke 7 sind wir gestern Abend unter den obligatorischen Klängen der „Großen Freiheit“ von Unheilig ausgelaufen und haben die Nase scharf nach Osten gedreht mit Kurs 95 Grad – Dakar.

Genau genommen sind es 85 Grad, wir driften, erklärt uns unser sehr humorvolle und souveräne Kapitän, da wir ja den Wind von Backbord ausgleichen müssen, um auf Kurs zu bleiben.

Heute morgen ist es zwar wolkenlos und warm, der Wind kommt jedoch mit 65 km/h von Nordosten. Es wurden 1.000e Liter Wasser gebunkert, um den verbrauchten Sprit gewichtsmäßig auszugleichen und ein gröberes Schlingern des Schiffes zu verhindern, die Stabilisatoren sind voll ausgefahren. Ganz gelingt das natürlich nicht, Speibsackerl liegen überall bereit. Noch geht es uns aber blendend.

Wir machen derzeit mit einer Maschine nur 11 Knoten (19.600 PS). Das schafft ein Puch Maxi locker bergauf. Wir sind aber schnell genug um morgen früh um 5 Uhr in der Hauptstadt des Senegal rechtzeitig anzukommen und den Afrikanischen Kontinent zu betreten.

211 Seemeilen oder 391 km liegen bis Dakar vor uns, 2.210 km haben wir mit der MEIN SCHIFF 4 bereits zurück gelegt. Jetzt gerade haben wir 4.115 m Atlantikwasser unter dem Kiel, wenig Verkehr, meint der Kapitän. Ein anderes Schiff hab ich noch nicht gesehen. Der Seemann sagt dazu: Das Schiff liegt sehr gut in der See, stressfrei, bei leicht diesige, unklarer Kimm. Damit ist der Horizont gemeint. Das wiederum liegt am Saharasand, der in der Luft liegt und für schlechte Sicht sorgt.

Das Sonnendeck 14 wurde steuerbord geräumt, weil der Wind zu stark ist. Und es soll ja niemand von Bord geweht werden. Ein bis zwei Passagiere gehen ja statistisch gesehen bei jeder Kreuzfahrt verloren. 😉

Wir finden einen super LiegePlatz direkt beim Außenpool, relativ windgeschützt, perfekt. Die Sonne scheint hier fast senkrecht vom Himmel, die Sonnenstrahlen treffen daher im Winkel von 90 Grad auf unsere bleiche Haut. Genau, wir liegen flach. 🙂

Das hat natürlich den Nachteil, dass das Eis im Becher schneller schmilzt. Die Eisbar auf Deck 12 ist übrigens sehr zu empfehlen!

Gestern hatten wir ein sehr unterhaltsames Tischgespräch mit Münchnern, die uns tatsächlich um unsere neue Regierung unter Kanzler Kern beneiden und uns gratuliert haben. Knapp daneben ist auch vorbei. 🙂

Am späten Nachmittag erreichen wir Windstärke 8, eine steife Brise, das Schiff liegt nun nicht mehr ganz so ruhig, es rollt und giert. Ab und zu rumpelt es auch kurz, wie auf einem Feldweg. Aber alles noch locker auszuhalten bei 25 Grad und Sonnenschein.

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#5 Cabo Verde – Kapverdische Inseln

Cabo Verde – Kapverdische Inseln

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Coronelli, Vicenzo Mari, 1690

Die Kapverden bestehen aus fünfzehn Inseln, von denen neun bewohnt sind. Sie liegen ca. 570 Kilometer vor der Westküste des afrikanischen Kontinents, ca. zwei Flugstunden südlich der Kanaren, für uns Kreuzfahrer sind das zwei Seetage.

Die Inseln werden unterteilt in die sogenannten „Ilhas de barlavento“ – die Inseln über dem Wind, wozu die Inseln Sao Vicente und Santo Antão gehören und in die „Ilhas de sotovento“ – die Inseln unter dem Wind. Dazu gehört unter anderem die Hauptinsel Santiago.

Programm:
Wir werden zunächst die Insel Sao Vicente anlaufen und in der Hauptstadt Mindelo anlegen, eine der ‚Inseln über dem Wind‘. Auf der Nachbarinsel Santo Antão haben wir eine Jeep-Fahrt gebucht.

Morgen geht es weiter nach Praia auf die Insel Santiago, der größten ‚Insel unter dem Wind‘. Praia ist die Hauptstadt der Kapverden und bedeutet schlicht: Strand.

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Geschichte, Geografie, Klima und Bevölkerung

Die Kapverdischen Inseln waren lange Zeit unbewohnt. Erst im 15. Jahrhundert wurden sie von portugiesischen Seefahrern „entdeckt“. Wegen ihrer Lage auf halbem Weg zwischen Afrika und Amerika waren sie „ideal“ geeignet als Umschlagpunkt für den Sklavenhandel und danach mehr als ein halbes Jahrtausend lang ein strategischer Brückenkopf in Portugals Kolonialreich.

Drei Viertel der heutigen Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre alt, die durchschnittliche Kinderzahl beträgt fünf Kindern pro Familie. Heute werden die Kapverden von einem Vielvölkergemisch aus Menschen mit gambischen, senegalesischen und sierra-leonischen Wurzeln bewohnt, die im Gegensatz zu ihren westafrikanischen Brüdern weitgehend ohne Streit zusammenleben. Weil es auf den Kapverden auch nichts zum Streiten gibt, weder Öl noch Gold, keine Diamanten und keine Smaragde. Leider auch sehr wenig Wasser, wie wir bald feststellen werden.

Die Inseln sind allesamt vulkanischen Ursprungs, die höchste Erhebung ist der Pico do Fogo mit 2.829 m.ü.M. Der letzte Ausbruch auf Fogo ist noch nicht allzulange her, und zwar 1995.

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Pico de Fogo – der höchste Berg der Kapverden

Das tropische Klima macht die Kapverden zu einem Ganzjahresziel. Es gibt unglaubliche 350 Sonnentage im Jahr bei Temperaturen zwischen 21 und 29 Grad. Das ganze Jahr Sommer, aber auch viel Wind!

Essen und Trinken

Was auf den Tisch kommt, bestimmt der Geldbeutel: Mais und Bohnen für die einen, Langusten für die anderen. Aus Mais, Hülsenfrüchten und Gemüse werden schmackhafte Eintöpfe (Cachupa) zubereitet, je nach Region gibt es verschiedene Fleisch – bzw. Fischeinlagen dazu. In Praia wird das einheimische Bier gebraut mit dem wunderschönen Namen: Strela – Stern. Aus Zuckerrohr wird überall von den Bauern Rum gebrannt: Grogue. Die süße Variante, z.B. mit Orangenscheiben heißt Ponce. Auf Fogo wird Weinbau betrieben und zwar schon seit dem 16. Jahrhundert. Heute gibt es den „Vinho Cha“, der rund um die Caldera des Pico do Fogo angebaut wird. In den Lokalen der Inseln kann man ihn fast überall auf der Getränkekarte finden.

Mittwoch, 11. April
Ankunft in Mindelo, Sao Vicente, Tagesausflug nach Santo Antao

Insel São Vicente – Hauptstadt Mindelo

São Vicente gehört zu den kleineren und trockeneren Inseln der Kapverden.

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Wer von São Vicente spricht meint eigentlich Mindelo. Eine idyllische Hafenmetropole mit einem eindrucksvollen Naturhafen, der einst als Welthafen Ruhm erlangte und für sämtliche große Seefahrer der Weltgeschichte als Zwischenstopp für die Weiterreise nach Nord- und Südamerika diente. Eigentlich ist der Hafen ein Vulkankrater, ähnlich wie Santorin.

Mindelo gilt als die kulturelle und musikalische Hauptstadt der Kapverden und ist eine lebhafte Hafenstadt, wo sich Musiker, Künstler, Schriftsteller und Segler aus aller Welt in schummerigen Musikkneipen treffen um über Gott und die Welt zu philosophieren.

Mindelo steht für Musik, Kultur und Karneval. Der alljährlich im Februar statt findende Carneval do Mindelo ist ein unvergessliches Spektakel, das dem Karneval in Rio sehr nahe steht. Mindelo ist auch für sein impulsives Nachtleben bekannt. Diverse Bars, Hafenkneipen und Discotheken werden insbesondere an den Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden besucht.

Die Bauten im portugiesischen und englischen Kolonialstil verleihen der Stadt ein zusätzliches Flair.

Um 6 Uhr ist heute Tagwache, da ist es noch stockfinster. In der Morgendämmerung kommt nach zwei Seetagen endlich Land in Sicht!

Kein Problem für uns, weil wir gestern die Uhr schon wieder eine Stunde zurück stellen mussten. Damit sind wir nun schon drei Stunden hinten. Hier gehen die Uhren definitiv anders!

Schon um 1/2 7 Uhr hat der Kapitano den Kahn im herrlichen Krater-Naturhafen von Mindelo fachgerecht angelegt, um 7:05 treffen wir uns bei der TUI-Bar zum gebuchten Landausflug. Wir sind auf einem deutschen Schiff, und da ist man pünktlich. Dann heißt es mal warten, wir sind ja nicht in Deutschland, wir sind auf den Kapverden! 😉

Ein kleiner Bus bringt uns einmal um den Hafen herum und wir steigen in die Fähre auf die Nachbarinsel Santo Antao. Eine volle Stunde dauert die Überfahrt, und bei diesem Wellengang hätte sie auch nicht länger dauern dürfen. Windstärke 8, erfahren wir später vom Kapitän, das ist schon heftig. Nix für Landratten!

Insel Santo Antão – Porto Novo

Wenig später werden wir in Porto Novo in Pickups mit Sitzbänken auf der Ladefläche verfrachtet und ab geht die Fahrt in die Berge.

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Die Stadt und die Dörfer sind hier sehr schmucklos, ab und zu sieht man kreolisch bunte Fassaden. Meist aber unverputzt. Irgendwie glaubt man in einer sehr verarmten Karibik gelandet zu sein.

Das Hauptproblem hier: Es gibt hier so gut wie keine Quellen. Wenn es mal regnet, dann die gesamte Jahresregenmenge in zwei Tagen, und dieses Wasser läuft 1:1 ins Meer, wie man sich anhand der ausgetrockneten „Regenwasserbette“ gut vorstellen kann. Eigentlich unglaublich, wie hier Menschen leben können, in dieser kargen Mondlandschaft.

Das Wasser wird kanisterweise mit Eseln aus der Hauptstadt in die schmucklosen Bergdörfer heraufgebracht. Wir sehen vulkanisch gepräge Landschaften, Geröllhalden, spitze Berge, einige „Oasen“, viele Ziegen und Esel.

Viele kleine Kinder winken uns Exoten fröhlich zu, nur ganz wenige strecken die Zunge heraus. Der Tourismus steht hier noch ganz am Anfang, keine Hotels, keine Restaurants. Die dunkelhäutigen Kreolen sind extrem freundlich, es existiert fast keine Kriminalität auf den Kapverden. Zu 95% leben hier Katholischen friedlich zusammen, ein Mitbringsel der Portugiesen.

Nachdem wir den höchsten Punkt mit 1.400 Metern erreicht haben, geht es auf der anderen Seite im Norden wieder hinab zur Küste. Der Höhepunkt unseres Ausflugs: Ein gewaltig schöner schwarzer Traumstrand mit mächtiger Brandung. Dort gibt es Picknick.

Der Rückweg über die Berge ist extrem schlecht ausgebaut, ein besserer Eselspfad. Wir fressen jede Menge Staub hinten am Sozius und sind dann sehr froh nach einer stürmischen Überfahrt endlich die Dusche in unserer Kajüte benutzen zu können.

Es war interessant, aber wir hätten uns die Insel Santo Antao aufgrund der Beschreibung im Reiseführer doch grüner vorgestellt. Eine Wanderinsel mit sprödem Charme für Hartgesottene.

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Donnerstag, 11. April
Ankunft in Praia, Santiago, Inselrundfahrt

Insel Santiago – Die Wiege der kreolischen Kultur

Santiago ist die größte, bevölkerungsreichste und geschichtsträchtigste Insel der Kapverden. Von den insgesamt 300‘000 Einwohner Santiagos leben etwa 180‘000 in der Hauptstadt Praia.

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In Santiago nahm die Geschichte der Kapverden ihren Lauf, als portugiesische Kolonialherren im 15. Jahrhundert ihre erste Niederlassung in Cidade Velha, auch Ribeira Grande genannt, gründeten. Cidade Velha, die ehemalige Hauptstadt der Kapverden, gilt als Geburtsort der kreolischen Kultur und ist mittlerweile als UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen worden.

Ein altes Fort, diverse Ruinen und Kirchen sowie ein Pranger erinnern noch an die Sklavenzeit vergangener Tage.

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Hauptstadt Praia

Santiago bietet neben Cidade Velha noch eine Vielzahl an interessanten Sehenswürdigkeiten und Wandermöglichkeiten. Insbesondere der Nationalpark Serra Malagueta im Hochland von Santiago, eignet sich hervorragend zum Wandern. Die beschilderten Wanderungen sind nach Schwierigkeitsgrad und Dauer eingestuft und bieten für jeden eine geeignete Route.

Ein Ausflug zum größten Baum der Kapverden gehört zu den Attraktionen Santiagos. Dieser 500 Jahre alte Kapokbaum mit einem Umfang von sagenhaften 40 Meter imponiert durch seinen gewaltigen Baumstamm.

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Einen Einblick in die kapverdische Geschichte erhalten Sie bei einem Besuch der Rabelados. Die Rabelados haben sich in den 1940-er Jahren den Bestimmungen der portugiesischen Kolonialherren widersetzt und sind in Berge Santiagos geflüchtet. Noch heute ist die Mehrheit der Rabelados der ursprünglichen und traditionellen Lebensweise treu geblieben und verdient ihren Unterhalt mit Kunsthandwerk und Landwirtschaft. In den letzten Jahren hat sich insbesondere die jüngere Rabelado-Generation weitgehend der Bevölkerung geöffnet.

Im Norden der Insel liegt das verträumte Fischerdorf Tarrafal mit seinem berühmten Palmenstrand. In Tarrafal steht noch ein altes ehemaliges Konzentrationslager, das an die Zeit der portugiesischen Herrschaft erinnert.

Nicht weit von Tarrafal liegt der schöne Strand Ribeira da Prata (z.Dt.: Silbernes Flussufer), der durch seinen silbern schimmernden Sand zu diesem Namen kam.

Unsere Tour startet heute um 8:20 Uhr, in einem Kleinbus fahren wir vom Containerhafen in die Altstadt von Praia. Es kommen nur ganz selten Kreuzfahrtsschiffe auf die Kapverden, daher der Containerhafen.

Unser Guide macht mit uns einen kleinen Stadtrundgang, der nette Obst- und Gemüsemarkt bleibt uns in Erinnerung. Und die klassischen Kolonialhäuser samt netter Pfarrkirche. Sehr karibisch anmutend.

Weiter geht die Busfahrt zur Festung Forte Real Sao Filipe mit wunderschönem Blick auf die alte Hauptstadt Cidade Velha, dem damals wichtigsten Sklavenumschlagplatz.

Dann geht es hinunter in die alte Hauptstadt.

Die berühmte Rua Banana vermittelt einen berührenden Eindruck, wie es hier im 16. und 17. Jahrhundert ausgesehen hat.

Hier am Hauptplatz steht noch der Pranger (Pelourinho) von damals. Einige Einheimische verkaufen selbstgemachtes, aber alles noch ohne jede Aufdringlichkeit.

Läge unser Schiff nicht vor Anker, wäre nun wohl auch kein einziger potentieller Kunde hier.

Nach der Besichtigung der sehenswerten Kirche Nossa Senhora do Rosario von 1495 fahren wir weiter zum Mittagessen auf 800 Meter Seehöhe in eine Bustaverne mit herrlichem Rundumblick auf die Berge.

Es ist auf Santiago zwar auch schon ewig kein Regen mehr gefallen, aber es dürfte eine Spur mehr Wasser geben. Die Hänge sind etwas dichter besiedelt, und man sieht eine Spur mehr Grün.

Der Besuch eines Botanischen Gartens, den man nicht gesehen haben muss. Prompt kommt es zu einer gesalzenen Beschwerde bei der Reiseleitung (dem armen Guide) und zur entschlossenen Streichung des Trinkgeldes der besserwisserischen (vermutlich) pensionierten Lehrerin aus dem Ruhrgebiet. Was zu erwarten war, wenn man ihren Ausführungen den ganzen Tag gelauscht hat.

Es war ein interessanter Tag auf Santiagos, um 16:15 Uhr checken wir wieder am Schiff ein, voller neuer Eindrücke. Um 18:30 Uhr stechen wir heute bereits in See, diesmal in Richtung Osten, in Richtung Senegal, Afrika.

Adeus Cabo Verde!

#4 Auf hoher See

Montag, 9. April 2018
Erster Seetag

Wir haben trotz hohem Seegang bei offener Balkontür sehr gut geschlafen. Das Schiff schwankt zwar merklich, aber man gewöhnt sich rasch daran. Es ist relativ kalt heute morgen (17 Grad), bewölkt und sehr windig (25 kn). Wir fahren mit 16,5 kn (30 km/h) gen Süden.

Es ist erstaunlich ruhig in der Kabine, von den Motoren ist hier auf Deck 7 fast nichts zu hören. Es vibriert auch nix.

Heute Nacht hat uns der Kapitän eine Stunde Zeit geschenkt (Zeitumstellung), wir wissen gar nicht recht, was wir damit anstellen sollen. Die Fitnesskammer ist bereits um 8 Uhr gerammelt voll verschwitzter germanischer Leiber, im Pool wird Aqua-Gym geübt, nein – gedrillt. Kopfschüttelnd spazieren wir vorbei und gönnen uns ein Nickerchen in der Himmel&Meer Lounge ganz vorne am Bug, Deck 12. Sehr entspannend!

Wir finden ein nettes Platzerl ganz oben auf Deck 14, dem Sonnendeck. Der Fahrtwind und der Wind von Achtern heben sich so gut wie auf, und so ist es relativ windstill hier oben über dem Pool. Es scheint den ganzen Tag die Sonne, herrlich!

Mittagessen gehen wir wieder ins Buffetrestaurant Anckelmannsplatz auf Deck 12, hier kann man auch gut frühstücken. Die Backstube hat frisches Brot und Gebäck und hinten im Gosch Sylt kann man sogar draußen sitzen. Es gibt eine Verbindung rauf in die Außenalster, hier darf man noch rauchen. Perfekt!

Am Abend wollen wir wieder ins Atlantik Mediterran auf Deck 4, dort ist das Essen noch feiner. Leider ist um 19:30 Uhr alles besetzt, auch einen Stock tiefer im Atlantik Klassik auf Deck 3. Wir lassen uns auf die Warteliste setzen, bekommen eine Nummer zugeteilt und ca. eine Dreiviertel Stunde später werden wir von der Schaubar auf Deck 5 abgeholt. Es gibt im Atlantik (die beiden Restis sind über eine Treppe im Lokal verbunden) drei verschieden 5-gängige Menüs, dazu Lieblinge für den Tag, regionale Spezialitäten und mehr. Premium All Inklusive versteht sich. Wir essen das beste Steak ever.

Im riesigen Theater stellt sich später noch der Kapitän mit seiner Crew vor, 999 Mann Besatzung aus 42 Nationen, der Bordarzt ist Österreicher. Ach ja, einen recht langatmigen Vortrag über die Kapverden haben wir uns am Nachmittag hier im Theater auch noch gegeben. Für den Absacker kann ich die TUI-Bar auf Deck 4 empfehlen, da sind die Cocktails besser als in der stylischen Schau Bar auf Deck 5.

Dienstag, 10. April
Zweiter Seetag

Wir haben mit der MEIN SCHIFF 4 ein sehr gutes Schiff erwischt, wie uns erfahrene Kreuzfahrer erzählen. Weniger Zwang-Bespaßung als auf AIDA-Schiffen (kein Ballermann), besseres Essen als bei der COSTA. Und vor allem kein Tischzwang, man sucht sich einfach einen Platz. Wir genießen einen erholsamen Seetag bei Windstärke 6, es schaukelt schon sehr heftig. Die Panorama-Sauna ist ein Hit, ganz vorne oben am Bug.

Das Schiff ist ausgebucht, quasi eine geschlossene Gesellschaft. Keiner steigt die nächsten zwei Wochen aus, keiner zu. Auch ein Unterschied zu anderen Kreuzfahrtgesellschaften. Wir sitzen mit 95% Deutschen 50+ quasi in einem Boot. Bisher wurden wir aber aufgrund unserer Herkunft noch nicht diskriminiert … nur einem musste ich erst erklären, dass ohne die österreichische Erfindung der Schiffsschraube er gar nicht hier wäre 😉

Da wir auf südwestlichem Kurs in Richtung der Kapverden realtiv weit von Afrika entfernt sind, fahren wir abseits der üblichen Seerouten. Zwei Tage und Nächte sehen wir rundum nur das weite Meer, sonst nichts. Kein anderes Schiff weit und breit. Es ist die pure Erholung!

#3 Leinen los!

Steuermann, halt‘ das Schiff nicht an!

Das Abenteuer beginnt für uns ‚First Time Cruiser‚, wir stechen endlich in See, Ahoi!

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Zwei Tage haben wir nun Zeit unser „schwimmendes Hotel“ zu erkunden und uns an Bord einzuleben.

Die Anreise

Letzte Reihe 31 im Flieger A320-214, erstmals Eurowings (nix mehr gratis an Bord, außer atmen und aufs Klo gehen), kein Fenster hier hinten im Raucherbereich, dem ehemaligen. Vorteil: Kein Hintermann kann einem ins Kreuz treten. Liebe Grüsse an den Toni und seine liebe Gattin, so ein Zufall, die nette Plauderei hat uns die Wartezeit am Flughafen wie im Flug vertrieben.

Wir starten fast pünktlich um 8:30 Uhr und kommen nach einem teilweise sehr holprigen Flug 4 Stunden und 50 Minuten später in Las Palmas, Gran Canaria an. Perfekte Landung. Es ist windig, relativ kalt und – es regnet sogar. Das haben wir aber nicht gebucht!

Der TUI-Transferbus bringt uns schnurstracks zum Hafen, Fahrzeit ca. 30 Minuten, Industriegebiete, Hochhäuser soweit das Auge blickt. Das Gepäck haben wir in den Bus geräumt, es wird bis in die Kajüte durchgecheckt. Nicht schlecht, sehr praktisch.

Sehr netter, freundlicher und professioneller Empfang beim Terminal vor dem Schiff, im Hintergrund könnte man es fast für ein Riesenhotel halten. Pässe abgeben, Fotos zur Identifikation werden gemacht, man bekommt die Bordkarte und Infos. Alles völlige stresslos. Dann Durchleuchtung fast wie am Flughafen und endlich betreten wir auf Deck 2 das Schinackl und beginnen es zu erkunden.

Rauf auf Deck 12, der Vorsatz, die nächsten 14 Tage nur die Treppen zu benutzen und die Lifte zu meiden, gerät gefährlich ins Wanken. Und das schon am ersten Tag beim Betreten des Schiffes. Oida! Wir schaffen es irgendwie ins Buffetrestaurant Anckelmannsplatz und machen das, was man als erstes auf so einem Kreuzfahrtsschiff macht: Wir essen mal was.

Gestärkt erkundigen wir die oberen Bereiche des Schiffes, Deck 12, 14 und 15. Unser erster Eindruck: Legerer als gedacht, weniger nobel als erwartet. Aber alles wirkt sehr sauber, frisch und durchdacht. Die grellen Farben der Teppiche, naja, Geschmacksache. Ein tolles Schiff!

Um 21:45 findet die vorgeschriebene internationale Seenotrettungsübung statt, alle 336 vorgeschriebenen Passagiere finden sich beim vorgeschriebenen Sammelplatz, der Musterstation E (in der Schaubar) ein und dort sehen wir den vorgeschriebenen Sicherheitsfilm. Also nichts mit Schwimmwesten anziehen und an Deck stehen, so wie ich mir das vorgestellt habe. Volle Aufmerksamkeit und Disziplin. Wir sind eindeutig auf einem deutschen Schiff, auch wenn es in Finnland gebaut wurde und unter der maltesischen Flagge läuft.

Später meldet sich der Kapitano höchstpersönlich per Lautsprecher schiffsweit zu Wort und begrüßt seine Gästeschar. Ein alter Seebär, der 15 Jahre auf der MS Berlin und der MS Deutschland unterwegs war. Genau, er hat schon Sascha Heen sicher über die Weltmeere kurschiert!

Völlig unspektakulär und fast unmerklich legen wir um 22:45 Uhr ab, die Stabilisatoren sind wohl voll ausgefahren. 876 Seemeilen oder 1625 km liegen bis zu den Kapverdischen Inseln vor uns, der Wind kommt von seitlich hinten. Der Kapitän dreht die Nase gen Süden und wir stechen in See. Der Seefahrer sagt dazu: Das Schiff läuft vor Wind und See diese Nacht. In diesem Sinne: Gute Nacht und Schiff Ahoi!

Montag, 9. April 2018
Erster Seetag

Wir haben trotz hohem Seegang bei offener Balkontür sehr gut geschlafen. Das Schiff schwankt zwar merklich, aber man gewöhnt sich rasch daran. Es ist relativ kalt heute morgen (17 Grad), bewölkt und sehr windig (25 kn). Wir fahren wohl fast Vollgas gen Süden, 16,7 kn (30,6 km/h) zeigt der Tacho. 38.000 PS haben unsere vier Diesel-12 Zylinder zur Verfügung.

Es ist erstaunlich ruhig in der Kabine, von den Motoren ist hier auf Deck 7 fast nichts zu hören. Es vibriert auch nix, nur die Einrichtung knackt ein wenig.

Heute Nacht hat uns der Kapitän eine Stunde Zeit geschenkt, wir wissen gar nicht recht, was wir damit anstellen sollen. Die Fitnesskammer ist bereits um 8 Uhr gerammelt voll verschwitzter germanischer Leiber, im Pool wird Aqua-Gym geübt, nein – gedrillt. Kopfschüttelnd gehen wir vorbei und gönnen uns ein Nickerchen in der Himmel&Meer Lounge ganz vorne am Bug, Deck 12. Sehr entspannend!

Das Achterdeck ganz hinten zählt zu den schönsten Plätzen an Bord und hat eine besondere Magie. Das Schiff fährt vorwärts und man schaut rückwärts, auf das, was hinter einem liegt. Man blickt zurück, auf das was war. Aus aufgewühlter See wird ein stilles Band an Erinnerungen, das sich zum Horizont hin verliert. Der menschliche Körper besteht zu zwei Dritteln aus Wasser, das ist ja kein Zufall!

Der Balkon der Kabine bietet die wundervolle Möglichkeit, bei voller Fahrt vor die Tür zu treten.

Bei einem Tiefgang von 8 Metern und einer Wassertiefe von derzeit 3.412 Metern bleibt uns genug Platz. Die Wellenhöhe darf ich auch noch kurz durchgeben: 2-3 Meter. Und: Es wird wärmer … 😀

#2 Seemannsgarn

Das gefährlichste am Meer ist die Nähe zum Land.

Noch gefährlicher ist es, auf See die Seemannssprache nicht zu kennen. Das Seemanns-ABC. Das wäre fatal. Man würde sich auf einem Schiff nicht zurechtfinden oder gar als Landratte gelten.

Einiges haben wir ja schon gelernt: Die Urlauber nennt man an Bord eines Kreuzfahrtschiffes nicht Gäste, sondern Passagiere, die Hotelzimmer Kabinen. Man liegt zwar in bequemen Hotelbetten, aber eigentlich sind das Kojen. An Bord ist im Prinzip das Innere des Schiffes, egal ob über oder unter Deck – das sind die Böden des Schiffes, die Stockwerke. Der unterste Teil des Schiffes, quasi die Wirbelsäule, ist der Kiel.

Wenn man seine Kabine in Fahrtrichtung links hat, dann wohnt man Backbord, rechts ist demnach Steuerbord. Dort findet man uns derzeit. Der Chef, Hoteldirektor, Chauffeur der Schiffes ist der Kapitän, er darf auch Trauungen vornehmen, weil das Schiff unter der Flagge von Malta fährt. Steuertechnisch ist das auch besser. Ihn erkennt man an den vier Streifen am Ärmel. Den Kapitän findet man hoffentlich meist auf der Brücke, der Kommandozentrale des Schiffes. Sein Lenkrad nennt man übrigens Ruder, damit bringt er das Schiff auf Kurs, wenn er die richtige Peilung hat. Wobei, eigentlich ist es heutzutage ein Joystick, und kein Lenkrad. Der Kapitän fährt keine Kurven, er macht Manöver. Er schaut dabei nicht nach vorne, er schaut voraus.

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Kapitän Kjell Holm, MEIN SCHIFF 4

Der Erste Offizier ist der Vertreter des Kapitäns, er hat drei Streifen am Ärmel und muss oft Brückenwache schieben. Noch ärmer sind die zwei bis drei Zweiten Offiziere (zwei Streifen), die schieben angeblich ständig Wache. Selbst wenn der Kapitän die Brücke betritt, sind sie weiter voll für das Schiff verantwortlich, bis der Kapitän ausdrücklich wieder das Kommando übernimmt.

Die netten Balkone back- und steuerbords nennt man Brückennock. Hier steht der Kapitän beim Einparken im Hafen und schaut runter, wieviel Zentimeter das Schiff mit dem Bug- und Heckstrahlruder noch an die Fender (Puffer) der Kaimauer herangesteuert werden kann.

Der hintere Teil des Schiffes ist achtern, auch Heck genannt. Dort hinten findet man unter Wasser das Ruder. Vorne ist der Bug. An Bord kommt man über eine bewegliche Brücke, die Gangway. Das Geländer entlang des Schiffes oder auch des Gangways ist die Reling. Die windabgewandte (windstille) Seite des Schiffes ist die Lee, die windzugewandte Luv. Die Passagierliste ist das Manifest, nicht zu verwechseln mit einer öffentlichen Erklärung von Zielen und Absichten.

Bei hohem Seegang hält man sich am besten Mittschiffs auf – dem Mittelteil des Schiffes, dort gibt es die geringsten Bewegungen, da wird einem nicht so schnell schlecht. Schuld daran sind hohe Wellen. Schaukelt das Schiff in Längsrichtung, dann stampft es, Bug rauf, Heck runter. Seitliches schaukeln nennt man schlingern oder rollen. Dann ist einmal Backbord höher, einmal Steuerbord. Falls der Dampfer seine Spur nicht halten kann, also rhythmische Bewegungen nach links und rechts macht, dann nennt man das Gieren. Passiert das alles zur gleichen Zeit, dann wird man womöglich seekrank. Um diese Effekte zu mindern gibt es Stabilisatoren, das sind ausfahrbare „Stummel-Flügel“ unter Wasser. Schnaps kann auch helfen.

Kann das Schiff nicht im Hafen ankern, weil es zu groß, der Hafen zu klein oder kein vernünftiger Meeresgrund vorhanden ist (beispielsweise vor Santorin), dann wird man mit einem Beiboot an Land gebracht. Das Schiff liegt dann auf Reede und das Landungsboot nennt man Tender. Es könnte dann an Pollern (Pfählen) am Kai (Quai) festgebunden werden, das sind die Mauern am Hafen. Zodiac nennt man hingegen das kleine schwarze Schlauchboot mit Außenbordmotor.

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Eine Seemeile entspricht 1,852 km, 1.000 km sind demnach 540 Seemeilen. Die Geschwindigkeit eines Schiffes misst man in Knoten 1 kn = 1 sm/h = 1,852 km/h.
10 km/h sind daher zirka 4,5 Knoten. So ein Kreuzfahrschiff schafft bei Vollgas um die 22 Knoten, also etwa 40 km/h.

Die Windstärkenbereiche von 0 (Windstille) bis 12 (Orkan) werden nach der Beaufortskala (Bft) angegeben. Windstille nennt man auf See übrigens Flaute.

2 Bft ist beispielsweise eine leichte Brise (< 13 km/h oder 7 kn), als steifer Wind gilt Windstärke 7 (< 63 km/h oder 34 kn), der Sturm beginnt bei  9 Btf (< 90 km/h oder 48 kn).

Das Essen wird nicht in der Küche zubereitet, sondern in der Kombüse, wobei diese Bezeichnung den heutigen Küchen auf den Kreuzfahrtschiffen wohl nicht ganz gerecht wird. Die Besatzung, darunter auch die Matrosen, nimmt ihre Mahlzeiten in der Messe ein, ganz ohne geistlichen Beistand.

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Werden die Wellen mal etwas höher, spricht man gleich von Seegang. Hohe Wellen sind dann Brecher. Die Tanks des Schiffes sind übrigens die Bunker.

Die Abfahrt des Schiffes nennt man auslaufen, im Gegensatz zum ausschiffen: Da gehen die Passagiere über die Planke von Bord, aber nicht über Bord. Kommen sie an Land, dann meist zum Anlegeplatz, besser Pier oder Kai. Sie machen einen Landgang.

Wird das Schiff entladen, dann wird es gelöscht. Wenn es brennt, dann hoffentlich auch. Die Schotten werden dann dicht gemacht, das sind die wasserdichten Trennwände innerhalb eines Schiffes. Damit der Untergang geordnet abläuft, ist die verpflichtende ‚Seenotrettungsübung‘ vorgeschrieben, sie nennt man Drill.

Und was ist nun eigentlich der Unterschied zwischen einem Boot und einem Schiff?
In ein Boot steigt man, wenn das Schiff untergeht. 😉

 

#1 Fremde Gezeiten

Wann können wir auslaufen? Mit der nächsten Flut.

Bis zu unserer nächsten Flut bleibt nur noch wenig Zeit, morgen, am 8. April 2018 ist es so weit. Wir werden von Vienna, Austria nach Las Palmas, Gran Canaria fliegen um dort in See zu stechen.

Die Reiseroute

Das ist zumindest der Plan. Vierzehn Tage Kreuzfahrt mit der MEIN SCHIFF 4 der Reederei TUI Cruises, zunächst von Gran Canaria aus den Atlantik gen Süden auf die Kapverdischen Inseln Sao Vicente, Santo Antão und Santiago, anschließend einen Abstecher rüber nach Afrika – Dakar, Senegal, dann wieder retour auf die kanarischen Inseln Teneriffa, La Palma, La Gomera, Lanzarote um schließlich von der Hauptinsel Gran Canaria aus wieder den Heimweg per Flieger anzutreten. Damit werden wir immerhin acht Inseln und den afrikanischen Kontinent besuchen.

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Wir waren noch nie auf den Kanarischen Inseln, von den Kapverden und Dakar ganz zu schweigen. Und wir waren noch nie auf einem Kreuzfahrtsschiff.

Nun gleich zwei Wochen und gleich auf eines der sieben Weltmeere – dem Atlantik. Es wird also spannend!

Warum gerade MEIN SCHIFF 4?

Ob das eine gute Entscheidung war, das wird sich noch weisen. Man wird es an dieser Stelle nachlesen können.

Wenn man sich über die aktuellen Kreuzfahrtsschiffe und Reedereien schlau macht, dann kommt man in der gerade noch leistbaren Mittelklasse an einigen Reedereien nicht vorbei, sie werden von uns Österreichern am liebsten gebucht:

Europas führende Reederei – COSTA aus Italien, die AIDA Cruises aus Deutschland, die weltweit größte privat geführte Kreuzfahrtgesellschaft; die italienische MSC Cruises und die deutsche Reederei TUI Cruises mit der MEIN SCHIFF-Flotte. Zu erwähnen wäre noch die NORWEGIAN CRUISE LINE NCL (Bahamas) mit 16 Schiffen, die habe ich mir aber nicht näher angesehen.

Die italienische COSTA und die deutsche AIDA haben ebenfalls jeweils 16 Schiffe im Programm, die AIDA derzeit 13 und die MEIN SCHIFF-Flotte besteht aus 6 Schiffen, zwei Schiffe werden 2018 durch neuere und größere ersetzt (MS 1 und MS 2). Wenn man nun auf den Kreuzfahrt-Portalen die Kundenbewertungen durchgeht, dann merkt man rasch, dass – egal welche Reederei – gewisse Schiffe besonders herausstechen. Eines dieser empfohlenen Schiffe sollte es sein.

Nun ging es darum, bei einem der in Frage kommenden Schiffe eine interessante Route zu finden, die sowohl zeitlich passt als auch preislich noch einigermaßen im Rahmen ist. Für den April 2018 blieb da nicht viel übrig.

Die italienische COSTA war bald aus dem Rennen, nicht nur wegen Francesco Schettino. Wir fanden keine passende Route im April und unser Vertrauen in die italienische Seefahrt ist enden wollend. Bei der italienischen MSC fanden wir kein passendes Schiff, welches wirklich gute Bewertungen hatte. Blieben nur mehr die beiden „Deutschen“ – die TUI Cruises und die AIDA-Flotte. Die AIDA-Schiffe sind eher als Clubschiffe konzipiert und auf Familien mit Kindern ausgelegt – wir reisen jedoch ohne Nachwuchs. Außerdem fanden wir keine passende Route im April.

Die Entscheidungsfindung

Nach dem Ausschlussverfahren fiel schlussendlich unsere Entscheidung auf MEIN SCHIFF 4 der TUI – da passten die Bewertungen, die außergewöhnlich Route, das Premium All Inclusive-Konzept am Schiff (mehr dazu später) und der Gesamteindruck vorab. Der Preis war zwar deutlich über dem geplanten Budget, aber man gönnt sich ja sonst nichts … 🙂

Die TUI Cruises gibt es erst seit 2008, die Schiffe sind daher sehr modern. Der weltweit führende Touristikkonzern – die deutsche TUI – gründete mit der zweitgrößten Kreuzfahrtgesellschaft der Welt, der Royal Caribbean Cruises ein Gemeinschaftsunternehmen. Der Firmensitz ist in der Hansestadt Hamburg. Die Kreuzfahrtmarke MEIN SCHIFF steht für einen zeitgemäßen Urlaub auf dem Meer und richtet sich an den deutschsprachigen Markt. So steht es im Prospekt.

Ein paar Eckdaten zu MEIN SCHIFF 4

MEIN SCHIFF 4 kann sich sehen lassen. Immerhin hat es 625 Millionen Euro gekostet und wurde nach zweijähriger Bauzeit in Finnland im Juni 2015 von Franziska van Almsick getauft. Ich werde das Schiff daher ab sofort Franziska nennen. 🙂

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Mit 99.500 Bruttoregistertonnen ist Franziska ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff, sie fährt unter der Flagge von Malta. Die Abmessungen von 293 x 36 Meter beeindrucken schon ein wenig. Sie ist damit dreimal so lang wie ein Fußballfeld, und halb so breit. Über Wasser ist sie über 58 Meter hoch, ihr Tiefgang beträgt 8 Meter. Es gibt 15 Decks – nein, eigentlich nur 14 – das Deck 13 wird aus Aberglaube ausgelassen. Für die Gäste stehen Deck 3 bis 15 zur Verfügung, das sind 12 Decks.

Der Besatzungsstärke von ca. 1.000 Mann stehen maximal 2.500 Gäste gegenüber. Gäste nennt man auf Schiffen aber bekanntlich Passagiere. Die Passagiere verteilen sich auf 1.250 Hotelzimmer, auf Schiffen Kabinen genannt. Sechs Decks (Deck 6 bis Deck 11) sind ausschließlich für Kabinen reserviert.

Die Gesamtfläche der Außendecks beträgt knapp 18.000 m² (der Fläche von ca. 2,5 Fußballfeldern), die 11 Restaurants verteilen sich auf ca. 5.000 m² (ein Fußballfeld). Den Durst stillen zusätzlich 11 verschiedene Bars. Der Wellness-Spa-Bereich ist 1.700 m² groß, zwei schöne Bauplätze wären das auch, von der Fläche her.

38.000 elektrische Diesel-PS treiben den schwimmenden Hotelpalast an. Wenn Franziska Vollgas gibt, ist sie mit maximal 40 km/h unterwegs, auf See sagt man dazu 21,7 Knoten. Sie braucht dazu etwa 8 Minuten. Der Bremsweg beträgt übrigens 1,6 km! 😉

Wie schwer ist der Anker? 8,5 Tonnen. Und das ganze Schiff? Um die 50.000 Tonnen.

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Drei Besonderheiten gibt es auch noch bei der MS4:

Erstens der Pool. Er ist auf der Franziska 25 m lang, einen längeren Pool gibt es derzeit auf keinem Kreuzfahrtschiff. Das Problem mit der Statik wurde durch einen Kniff gelöst: Im Bedarfsfall wird eine mobile Trennwand im Pool aufgezogen, um die Wassermassen zu halbieren. Solche Pools findet man derzeit nur bei der Flotte von TUI Cruises.

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Zweitens die Kunstsammlung an Bord. Auf der Mein Schiff 4, können Gäste während ihrer Reise über 6.000 Werke zeitgenössischer Kunst entdecken. Rund drei Millionen Euro hat die Hamburger Kreuzfahrtreederei in die schwimmende Sammlung investiert. Auf allen Decks des Wohlfühlschiffes – zum Beispiel in den Restaurants, dem SPA, den Treppenhäusern oder auf dem Pooldeck – findet der Gast unterschiedlichste Kunstwerke. Dabei erstreckt sich die Vielfalt der Sammlung von Malerei und Skulpturen über Installationen, Fotografie und Videos bis hin zu Graffitis und Posterdrucken. Unter anderem sind bekannte Künstler der jüngeren und mittleren Generation wie Jorinde Voigt, Daniele Buetti, Jacob Gasteiger, Robert Lucander oder der Graffiti-Künstler DAIM (Mirko Reisser) an Bord vertreten. Die Klammer der Sammlung bildet das Thema
„1.000 shades of blue“; die Farbe Blau steht unter anderem symbolisch für das Transzendente und die Sehnsucht, die Ferne und die Unendlichkeit und verkörpert somit sehr passend den Kreuzfahrtgedanken.

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Soweit der Text im Prospekt.

Drittens die Panorama-Sauna – die größte Sauna auf einem Kreuzfahrtschiff weltweit 🙂

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Das derzeit größte Kreuzfahrtschiff der Welt ist übrigens die Harmony of the Seas der Royal Caribbean Cruise. Es hat 1,3 Milliarden Dollar gekostet, ist 362 m lang und 60 m breit, 18 Decks hoch. Maximal 6.360 Urlauber verteilen sich auf 2.750 Kabinen, 2.400 Mann Besatzung kümmern sich um die Gäste, die Maschinen leisten 131.883 PS, 225.282 BRT. Mit diesem Ungetüm gewinnt man fast jedes Schiffs-Quartett. 😉

Das MEIN SCHIFF-Konzept

Unterwegs auf einem deutschen Schiff, das besser sein will als alle Mittelklasse-Kreuzfahrtliner der Welt.

Die moderne Kreuzfahrtindustrie funktioniert nach demselben Prinzip wie IKEA, H&M oder Tchibo: Billige Arbeitskräfte aus der dritten Welt produzieren eine auf den amerikanischen/europäischen Geschmack ausgerichtete Ware – oder in diesem Fall Dienstleistung.

Weil die meisten Kreuzfahrtreedereien heute in amerikanischer Hand sind, sind auch Design und Sitten an Bord auf US-Gewohnheiten ausgerichtet: Trinkgeldzwang, Zwangs-Klimaanlagen, viel Rambazamba und immer gigantischere Schiffe mit 5.000 und mehr Passagieren. Je größer das Schiff, desto mehr Profit.

Dem deutschen und österreichischen Gast schmeckt das oft gar nicht. Viele Kreuzfahrer mögen keine Riesenschiffe mit sozialem Wohnbau auf See und hundert Ausflugsbusse im Hafen. Wir wollen eine freie Liege am Pool. Wir wollen uns beim Essen nicht anstellen. Wir wollen keine Ermahnungen, den Tisch freizumachen. Da werden wir sauer. Und gut muss das Futter sein. Sonst werden wir richtig grantig.

Weil das so ist, starteten 2005 der größte europäische Tourismusanbieter, die deutsche TUI, und die US-Reederei Royal Caribbean ein interessantes Experiment: Kreuzfahrtschiffe, die ganz auf den Geschmack einer anspruchsvollen deutschen Mittelschicht ausgerichtet sein sollten. Großzügige öffentliche Flächen, mehr Raumhöhe, Extras wie Nespresso-Maschine in jeder Kabine, Markenqualität statt billigem Fusel. „Mein Schiff“ wurde die Flotte getauft, die mittlerweile sechs Liner umfasst.

Eine saubere, gut organisierte, schwimmende deutsche Kleinstadt. Anders als auf Billigschiffen findet man auf der „Mein Schiff 4“ über 100 Markenprodukte ohne Aufpreis. Ein Multikulti-Arbeiterheer aus 50 Nationen wird mit militärischer Disziplin geführt, darunter 170 Köche, Abwäscher und ein Obstschnitzer. Ein Kreuzfahrtschiff ist wie eine Kleinstadt, die rund um die Uhr funktionieren muss.

Eigentlich müssten Kreuzfahrtschiffe ja gar nicht herumfahren. Man könnte ja einfach essen, trinken, im Pool planschen, am Sonnendeck abhängen und sich irgendwo an einer Bar mit AI-Drinks volllaufen lassen. Es soll Passagiere geben, die das genauso sehen. Die anderen armen Teufel müssen bei jeder Insel von Bord, um zuhause etwas erzählen zu können.

Diese Zeilen stammen aus einem KURIER-Reisebericht, auch einer der Gründe, warum wir uns gerade für dieses Schiff für unsere erste Seefahrt entschieden haben.