#14 Wir streichen die Segel.

Land in Sicht!

Wenn das Schiff nicht fährt, ist es nur die Hälfte wert.

Es ist tatsächlich so, dass man sich nach fast 14 Tagen auf einem Schiff so an die See gewöhnt, dass einem das leichte Schaukeln im Hafen fehlt. Viel schöner ist es, wenn es fährt!

Die nächste Kreuzfahrt sollte daher möglichst viele Seetage haben und möglichst wenige Landgänge. 😉

Wir haben viel erlebt: Ein wunderbares Schiff mit feinem Essen und jedem Komfort. Wir wurden nicht seekrank, nicht mal bei Windstärke 8 auf der Fähre auf den Kapverden.

Wir sind in der Banana Street auf den Spuren der Sklaven gewandert, haben tolle Ausblicke genossen und im Jeep viel Kapverdischen Staub geschluckt.

Wir haben die wilden Kreaturen im Senegal gesehen, in Dakar auf Safari.

Die schönste Panoramasauna auf See genossen, in der TUI-Bar die besten Cocktails geschlürft. Das beste Runderrückensteak ever geschmaust.

Wir waren auf den Kanaren im Regenwald, bei der höchstgelegen Sternwarte und sind mit Dromedaren durch die Mondlandschaft geritten. Einen halben Meter unter den Schuhsohlen 300 Grad.

Wir haben Wale und Delfine in der freien Wildbahn beobachtet. Wir bewunderten spanische Kolonialarchitektur und lernten etwas über die Entdeckung fremder Welten, oben am Berg und unten im Hafen. Wir haben geshoppt. Und geshoppt.

Wir haben dem Kapitän die Hand geschüttelt, verantwortlich für 3.500 Seelen an Bord. Wir haben seine grandiosen Anlegemanöver meist verschlafen, weil sie so smooth abgelaufen sind. 2760 Seemeilen oder 5106 km hat er uns sicher geleitet.

Wir haben unsere lieben normannischen Mitreisenden und ihre Marotten still ertragen.

Liebe Grüße an die netten Burgenländer und die Gmundner, Brüder und Schwestern im Geiste, mit ähnlichen Erfahrungen.

Die nächste Route steht schon fest, wir werden der MEIN SCHIFF-Flotte wohl treu bleiben. Ein Hoch auf unseren Kapitän und seine Crew!

Hasta la Vista, Baby Blue.

(c) ReiSek April 2018

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#12 Lanzarote

Karg, düster und schwarz. Weit gefehlt!

Lanzarote zeigt am eindruckvollsten seine vulkanische Vergangenheit. Rund ein Drittel seiner Fläche liegt unter einer schwarzen Lava-Decke begraben.

Lanzerote und Fuerteventura bildeten früher eine gemeinsame Insel. Durch den Atlantik wurde die alte Insel geteilt. Heute trennt ein 11 km breiter Wasserstreifen die Landmassen, die Meerestiefe beträgt stellenweise nur 20 Meter.

Lanzarote ist sehr flach. Die höchste Erhebung, der Penas del Chache ist nur 671 m hoch. Außerdem ist die Insel sehr regenarm und Trinkwasser muss über Entsalzungsanlagen gewonnen werden.

Die Feuerberge Montanas del Fuego im Timanfaya-Nationalpark sind der geologische Höhepunkt der Insel. Von 1730 bis 1736 waren 130 Vulkane gleichzeitig aktiv. Sechs Jahre lang Weltuntergangsstimmung. Eine bis zu 30 m dicke Lavaschicht bedeckt seither 200 km².

Feine Sandstrände ziehen heute Touristen aus ganz Europa an. Puerto del Carmen, Costa Tequise und Playa Blanca sind die wichtigsten Touristenzentren.

Arrecife hat 58.000 Einwohner und ist seit 1852 die Hauptstadt von Lanzarote.

Ein versteckter Seetag

Gestern Nacht haben wir La Gomera verlassen und unser Kapitän hat eine andere Route gewählt als vorgesehen: Aufgrund des weiterhin starken Nordostpassats fahren wir südlich von Teneriffa und Gran Canaria vorbei an Fuerteventura nach Lanzarote. Damit nutzen wir den Windschatten der Inseln, die Windstärke beträgt immerhin 8 Beaufort, um die 60 km/h.

Unser Schiff rollt leicht, aber kein Grund um gleich seekrank zu werden.

Um 19 Uhr wollen wir Lanzarote erreichen, sowas nennt man einen „versteckten“ Seetag. Normalerweise kommt man ja am frühen Morgen in den Häfen an.

Einen Star haben wir ja – abgesehen vom Kapitän – noch an Bord, das ist der begnadete Saxofonist Noah Fischer, jahrelang an der Seite von Udo Lindenberg. Mir natürlich gänzlich unbekannt. Ab und zu muss der Arme ein paar Takte spielen, aber sonst lässt er es sich in der exklusiven X-Lounge in einer der Suiten gut gehen. Weit haben sie es gebracht, die alternativen systemkritischen Hauptstadt-Rocker! 😉

Heute bleibt nochmals genug Zeit um die Annehmlichkeiten dieses „Wohlfühlschiffes“ in vollen Zügen zu genießen. Die Kabine 7134 steuerbords ist nun super, da unser Balkon auf der Sonnenseite liegt.

Unsere Sorgen vor unserer ersten Kreuzfahrt waren unbegründet: Kein Anstellen am Schiff oder bei den Landausflügen, feines abwechslungsreiches Essen, keine Seekrankheit, kein Lagerkoller. Man fühlt sich auch keineswegs eingesperrt.

Nachteile einer Kreuzfahrt? Nun, abgesehen vom reduzierten Erbe ist ein Nachteil sicher, dass man die Destinationen nur kurz „beschnuppern“ kann.

Am meisten sieht man bei fix gebuchten Ganztagsausflügen. Genaue Vorbereitung auf die jeweiligen Häfen und Möglichkeiten ist von Vorteil, am Schiff selbst hat man dafür kaum mehr Zeit, schließlich will man sich ja erholen und nicht die ganze Zeit am Programm des nächsten Tages arbeiten. Das könnte auch zu Konflikten mit dem Partner führen, und wer braucht das schon? 😉

Völlig unvorbereitet und uninformiert die Kreuzfahrt anzutreten ist ein schwerer Fehler, dann bekommt man Stress. Die Ausflüge sollte man schon zuhause buchen, ebenso Mietwagen. Spontan geht eher nix, weil die Zeit fehlt und vieles dann schon ausgebucht ist. Alternativ kann man natürlich immer am Schiff bleiben, ich denke, etliche machen das so. 🙂

Ein Nachteil ist daher der höhere Aufwand zur Reisevorbereitung. 8 unterschiedliche Ziele – 8x vorbereiten. Und noch ein Nachteil: Die Zeit am Schiff vergeht wie im Flug! 😉

Unser Kapitän Andreas Greulich legt viel Wert auf Sauberkeit: Ständig sind die Matrosen am Putzen um den Sand und das Salz zu entfernen. Das scheint bei Kreuzfahrten nicht immer der Fall zu sein, was man so hört.

Am Abend kommen wir in Arrecife an und machen einen Abendausflug nach Playa del Carmen, einem der drei Touristenzentren der Insel.

Was sofort auffällt: Die Häuser auf Lanzarote sind alle weiß und niedrig. Ein schöner Kontrast zur Vulkanlandschaft. Die Uferpromenade ist super gepflegt und sehr modern. Alles eingestellt auf den Urlauber aus Großbritannien.

Am nächsten Morgen brechen wir auf zu unserem letzten Trip „Zwischen Lavaströmen und Vulkanen“ in die Feuerberge von Timanfaya.

Um es gleich vorwegzunehmen: Ein Muss auf Lanzarote. Zwar sehr sehr touristisch aber auch sehr sehr beeindruckend. Am besten lasse ich die Fotos für sich selbst sprechen.

#11 La Gomera

Märchenwälder und Natur pur

Ein kleiner Punkt im Atlantik, 1300 Kilometer südlich des spanischen und 300 Kilometer westlich des afrikanischen Festlandes, auf dem nicht einmal 25.000 Menschen leben: die Insel La Gomera. Im Durchmesser misst diese Insel nur 25 km, die zweitkleinste der Kanaren.
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Schluchten, die ins Meer hinabstürzen, weite Täler mit Palmen, sprudelnde Quellen und sattes Grün: Die Natur mit ihren wildromantischen Landschaften und der vulkanische Ursprung machen den Reiz aus, den die meisten Menschen an La Gomera so anziehend finden.

Diesem Zauber unterlag auch die Unesco, die die Insel im Jahr 2011 aufgrund ihrer gut erhaltenen Ökosysteme als Biosphärenreservat auszeichnete. Denn hier wachsen und gedeihen noch Pflanzenarten, die im Rest der Welt längst verschwunden sind.

Im Garajonay Nationalpark beispielsweise, der nach dem höchsten Inselberg (1.487 Meter) benannt ist, gibt es einen Lorbeerwald, der mehr als 1000 Jahre alt ist. Dieser prähistorische Waldtyp ist deshalb so besonders, weil er gut zehn Prozent der gesamten Insel einnimmt und als immergrüner Nebelwald mit seinen bis zu zwei Meter hohen Farnen, von den Bäumen hängenden Bartflechten, mit Moos bewachsenen knorrigen Ästen und Bächen wie ein Urwald aus dem Märchenbuch aussieht. Er gilt als der schönste Lorbeerwald aller kanarischen Inseln. Hier ist es stets feucht und neblig, auch im Hochsommer tropft Wasser auf den Waldboden.
Neben den Feuchtwäldern gibt es auf La Gomera noch etliche andere Landschaftszonen, welche die Insel zu einem abwechslungsreichen Wandergebiet machen. 650 Kilometer an Wanderwegen halten für jeden Geschmack etwas parat: Es ist ein Wegenetz an verschlungenen und mysteriösen Pfaden durch steile Schluchten wie bei Alajero, an sprudelnden Quellen mit heilendem Wasser wie bei Chorros de Epina vorbei und führt durch Täler, die über und über mit grünen Palmen bewachsen sind wie das Valle Gran Rey im Westen der Insel.
Einen Wal mit bloßen Augen zu sehen, ist ein aufregendes Abenteuer und nur an wenigen Plätzen der Welt möglich.

Rund um La Gomera ist das Meerwasser besonders klar, was ideale Voraussetzungen für Walbeobachtungen bringt. Vor allem im Frühjahr sollen sich hier an die 20 Walarten aufhalten – von bis zu acht Meter langen Grindwalen über Schnabelwale mit ihrer langgezogenen Schnauze bis zu 150 Kilogramm schweren Rauzahndelfinen. Die Wahrscheinlichkeit, einen der Meeressäuger auf einer Waltour beobachten zu können, soll bei 80 bis 90 Prozent liegen – und ist damit sehr hoch.

Das alles steht in blumigen Worten im Reiseführer. Zeit für einen Faktencheck.

Frühmorgens legen wir in La Gomera an, und wir bleiben bis spät abends. Ein weiterer Pluspunkt der MEIN SCHIFF-Flotte: Lange Liegezeiten. Wir sind wieder das einzige Kreuzfahrtsschiff im Hafen.

Auf den ersten Blick wirkt die Insel von dieser Seite eher karg und abweisend. Das Städtchen San Sebastian hingegen sieht sehr pittoresk aus, wie es so schön heißt. Bunte Häuser schmiegen sich an die steilen Hänge, Palmen im Hafen und schwarzer Sandstrand.

Wir haben für heute die Wal- und Delfinbeobachtung reserviert, um 9:05 Uhr soll es losgehen, Treffpunkt in der Schau-Bar auf Deck 5. Wir sind heute schon früher dran, so 10 vor 9. Und wir sind die Letzten, alle warten schon. 15 Minuten vor der Zeit, ist des Deutschen Pünktlichkeit. Echt krass.

Um 9:05 Uhr geht es dann endlich los, wie befohlen. Ein kurzer Fussmarsch von 5 min und wir steigen schon auf ein kleines Ausflugsboot.

Bei ruhiger See verbringen wir die nächsten 4 Stunden am Meer und sind zufrieden: Wir sehen viele Große Tümmler (besser bekannt als Flipper-Delfine) und Indische Grindwale. Die werden immerhin 7 Meter lang. Das Meer ist hier herrlich türkis-blau und bei der Rückfahrt schippern wir sehr nahe an der schroffen Felsküste. Eine sehr empfehlenswerte Tour! Nur Anita ist etwas enttäuscht, sie hätte gerne einen Blauwal oder zumindest einen Orca gesehen. 🙂

www.excursiones-tina.com

Eine Badeinsel ist La Gomera (wie schon gestern La Palma) definitiv keine, da es keine schönen Strände gibt. Die Wanderwege dürften auch großteils durch vegetationslose Vulkansteinwüste führen, abgesehen vom Nationalpark Garajonay im Inselinneren mit seinen dschungelartigen Loorbeerwäldern.

Am Nachmittag erkunden wir die Hauptstadt San Sebastian de La Gomera (7.000 Einwohner), zu Fuß vom Pier leicht erreichbar, vorbei am schönen Jachthafen. Vom Schiff aus sieht das Städchen sehr nett aus, hohe Palmen und viele bunte Häuser, die sich den steilen Hang hinaufziehen.

Santa Cruz de Tenerife ist eine geschäftige saubere moderne Großstadt mit relativ wenigen Sehenswürdigkeiten. Santa Cruz de La Palma ist eine blitzsaubere Kleinstadt mit herrlicher Altstadt, sehr sehenswert. San Sebastian hier auf La Gomera ist hingegen ein größeres sauberes aufgeräumtes Dorf ohne wirkliche Highlights mit nur wenig Flair in der Altstadt. Irgendwie fehlt der Charme, finde ich. Wir haben kein Platzerl gefunden, wo wir uns gerne auf ein Kaffeetscherl hingesetzt hätten.

Wenn Kolumbus nicht gerade diese Insel zu seinem Sprungbrett für den Aufbruch ins Unbekannte gewählt hätte (warum eigentlich?), dann wäre hier wohl heute gar nix los. So begegnet man hier auf Schritt und Tritt dem berühmten Seefahrer, La Gomera lebt von Colon.

Auf dieser Insel hat er sein letztes Stoßgebet vor der ersten Amerikareise gen Himmel geschickt, hier hat er das Wasser gebunkert, mit dem er dann später Hispaniola gesegnet hat. Na bitte, doch noch eine Superlative auf La Gomera!

Man kann es natürlich auch positiv sehen, und die Beschaulichkeit des Ortes hervorheben. In Wahrheit ist das hier aber ein sehr verschlafenes Nest auf einer sehr übersichtlichen Insel. Nicht mal der Vulkan ist hier aktiv, seit Millionen von Jahren! 😉

Früher war das eine Insel der Hippies, lese ich, heute fahren die alle schon mit dem Rollator, falls sie noch leben. Dieses Bild ist stimmig. 🙂

Na gut, kein Problem, die Stadt ist in einer Stunde fertig besichtigt, ab auf das Sonnendeck. Tequila! 🙂

PS. Hätte ich fast vergessen, die La Gomera pfeifen gerne drauf, von einem Berg zum anderen, bis zu 16 km weit. Das spart Handygebühren. In der Schule lehrt man das angeblich sogar. Diese einzigartige Pfeifsprache nennt sich „El Silbo“.

Und noch was: Der Blick auf die Nachbarinsel Teneriffa mit dem höchsten Berg Spaniens ist auch sehr schön.

#10 La Palma

La Isla de San Miguel de La Palma

La Palma ist, wie alle Kanarischen Inseln, vulkanischen Ursprungs – das bedeutet wenige schwarze Sandstrände und steile Berge.

Sie wird fast liebevoll Isla Verde (grüne Insel) oder Isla Bonita (hübsche Insel) genannt. Riesige Lorbeer- und Kiefernwälder legen sich dschungelartig wie ein Teppich über fast die gesamte Insel. Also ein Paradies für Wanderer und Naturfreaks. La Palma gilt als die sauberste und grünste kanarische Insel. Das mag sein.

Mit nur 49 km Länge und 28 km Breite ist La Palma ein „Inselchen“. La Palma stellt aber auch die „steilste Insel“ der Welt dar, bezogen auf die Fläche und das Höhenrelief. Man soll daher die Entfernungen nicht unterschätzen.

Santa Cruz de La Palma

Die Hauptstadt, das „Heilige Kreuz“ der Insel, gegründet 1493, nur 17.000 Einwohner. Santa Cruz gilt als eines der schönsten Beispiele spanischer Kolonialarchitektur im kanarischen Archipel. Mehr dazu später.

Der Kreuzfahrthafen liegt wie alle kanarischen Häfen auf der Ostseite der Insel in einer geschützten Bucht im Süden der Hauptstadt. Es sind ca. 1,5 km vom Schiff bis ins Stadtzentrum.

Wie fast immer verschlafen wir das Anlegen, beim Betreten des Balkons schauen wir schon auf grüne Berge.

Auf den ersten Blick wirkt La Palma etwas „lieblicher“ als Teneriffa, nicht ganz so schroff, aber das kann täuschen. Die Inselhauptstadt schaut gemütlicher aus.

Nach dem Frühstück führt unser erster Weg zu Cicar im Hafengebäude. Zuhause haben wir uns für die Insel La Palma ein Leihauto reserviert. Wir wollen den Inselnorden erkunden.

Der freundliche Herr von Cicar rät uns dringend davon ab hinauf zur Sternwarte zu fahren, die Straße sei zu schlecht und zu kurvenreich. Damit steht unser Tagesplan endgültig fest. 🙂

Unser Auto stehe draußen vor der Marina am Privatparkplatz gleich bei der Madonna links, meint er. Wir finden die Statue zwar nicht, aber das Auto, gleich beim Mc Donalds links. Madonna, Mc Donald. Unser Spanisch scheint schon etwas eingerostet zu sein. 😉

Mit dem nagelneuen Opel Asthma TURBO (!) und dem Navi biegen wir rauf auf die LP-4 in Richtung Roque de los Muchachos (Burschenberg), zur zweitgrößten Sternwarte der Welt auf 2.426 Metern.

Die Straße ist sehr breit, perfekt asphaltiert und sehr kurvenreich. Das macht Spaß!

Zunächst geht es mit dem Turbo durch endloses Dschungelgebiet, später wechselt die Vegetation auf Loorbeerwälder, schließlich fahren wir durch hohe Kieferwälder. Ab 2.000 Höhenmetern erreichen wir die Baumgrenze und haben herrlichen Blick auf das Meer und die Wolkendecke.

Am höchsten Punkt der Straße eröffnet sich ein grandioser Blick auf die Caldera de Taburiente, dem Senkkrater mit 10 km Durchmesser und 1.500 Meter Tiefe, ein Nationalpark.

16 Teleskope stehen um den Gipfel verstreut, darunter das GRANTECAN, mit 10,4 m Spiegeldurchmesser ist es das weltgrößte Himmelsauge. Die MAGIC I+II Gammastrahlen-Hohlspiegel faszinieren besonders.

An 19 weiteren Gammastrahlen-Teleskopen wird bereits gebaut, ein 30 Meter-Riesenteleskop ist geplant. Ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung sichert seit 1988 diesen wichtigen astronomischen Standort.

Hier oben (2.244 m) herrscht eine fast mystische Stimmung, einmalig, wunderschön.

Richtung Westen geht es dann gefühlte tausende Serpentinen wieder bergab, zurück in die Zivilisation. Bei Los Sauces kurz vor San Andres besichtigen wir die Charco Azul. Bananenplantagen, soweit das Auge reicht. Endlich stehen wir bei natürlichen Meerwasserpools und bewundern die Brandung. Zum Baden ist heute der Wind zu kalt.

Den Lorbeerwald Los Tilos lassen wir links liegen, Dschungel haben wir heute schon genug gesehen. Den Strand „Playa de los Cancajos“ südlich des Hafens hätten wir uns sparen können, für seine Strände ist La Palma nicht berühmt.

Am Nachmittag fahren wir daher in die Hauptstadt Santa Cruz de la Palma.

Sie wird nicht umsonst die Perle der Kanarischen Inseln genannt. Die historische Innenstadt im kolonialen Stil ist ein Schmuckkasterl. Perfekt renoviert und sehr sauber.

Zu empfehlen ist ein Besuch des stimmigen Plaza de Espana mit der alten Pfarrkirche.

Die berühmten Balkonhäuser aus dem 16. Jahrhundert direkt am Meer auf der Avenida Maritima muss man auch gesehen haben.

Ein Besuch des Inselmuseums Museu Insular in einem uralten Franziskanerkloster zahlt sich auch aus.

Der zweite Höhepunkt des Tages ist aber nach der Sternwarte eindeutig der Cappuccino in der Innenstadt, herrliches Abiente und sehr gemütlich. Gut, dass nur unser Schiff heute angelegt hat und nicht gleich drei, wie gestern in Teneriffa. Die Stadt ist klein, aber sehr fein.

Zum Abschluss liegen wir noch eine Weile am Stadtstrand, das Wasser ist sauber und klar. Der Strand sehr gepflegt, wie alles auf dieser grünen Insel.

#9 Teneriffa

Teneriffa – die Isla Afortunada, die glückliche Insel.

Schon der große Naturforscher und Entdecker Alexander von Humboldt war von der landschaftlichen Vielfalt und der Natur verzückt.

Teneriffa ist eine Welt für sich und ganz klar die vielseitigste Insel der Kanaren.

Weit weg vom Festland liegt die Insel im atlantischen Ozean. Auf ihr ausgelegt ein reichhaltiges Potpourri aus allen Landschaften und Pflanzenarten, die unser Globus zu bieten hat. Man könnte auch sagen: „Was die Galápagos-Inseln für die Tierwelt, sind die Kanaren für die Vegetation.“

Wie die Stockwerke eines Wolkenkratzers türmen sich die Vegetationszonen dort auf kleinster Fläche übereinander.

Drunten liegen schroffe Felsen, zwischen denen Palmenhaine paradiesische Sehnsucht á la Karibik vermitteln. Darüber sprießt ein immergrüner Kieferngürtel

.

Hoch droben

thronen die baumlosen Vulkanschutthalden von Spaniens höchstem Berg – dem schneebedeckten Teide.

Es scheint ganz so, als habe der Schöpfer dieses wunderschönen Fleckchens Erde mitten im Atlantik alle Register landschaftlicher Entwicklung auf einmal gezogen.

Teneriffa (span. Tenerife) ist die größte der Kanarischen Inseln und gehört zu Spanien. Die Insel ist 83 Kilometer lang und bis zu 54 Kilometer breit. Der höchste Berg Spaniens, der 3.718 Meter hohe Pico del Teide ragt aus dem Vulkanmassiv im Zentrum der Insel.

Der Pico del Teide wirft übrigens an bestimmten Tagen bei Sonnenaufgang den weltweit längsten Schatten aufs Meer hinaus, er reicht bis zur 100 km entfernten Insel La Palma.

Diese Insel ist nicht nur ein Wanderparadies, sie ist auch ein Cacherparadies. Wir haben uns vorgenommen, hier mal unseren Urlaub zu verbringen und uns diese Insel zu „ercachen“. Heute haben wir daher keinen Landausflug gebucht, wir werden auf eigene Faust etwas unternehmen und nur die Hauptstadt per pedes erkunden.

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Santa Cruz de Teneriffa

Die Hauptstadt der Insel liegt im Nordosten, ganz ähnlich, wie es auch bei Las Palmas auf der Nachbarinsel Gran Canaria der Fall ist und hat 222.000 Einwohner.

Der ständige Nordostpassat hat feuchte Luft und Wolken im Gepäck, die vor dem Inselgebirge aufsteigen müssen, abkühlen und dann Steigungsregen abladen. Daher ist das Wetter dort nicht immer so toll, was den Gesamteindruck der Stadt durchaus schmälern kann.

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Wir haben aber Glück: Herrliches Wetter und fast kein Wind erwartet uns in Santa Cruz. Grandiose Bergkulisse!

Zwei weitere Kreuzfahrtsschiffe treffen ein, die riesige MSC Preziosa und die Costa Pacifica. Alleine sind wir also nicht.

Eine blaue Linie weist den Weg in das Stadtzentrum, nach ca. 800 Metern erreichen wir den CityView-Bus mit offenem Oberdeck, eine bequeme Möglichkeit sich eine Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu verschaffen. Viele sind das jedoch nicht.

Was sofort auffällt: Santa Cruz ist extrem sauber und sehr grün, sehr modern. Und die Stadt ist sehr groß!

Nach der Rundfahrt spazieren wir über den schönen Plaza de Espana mit dem großen Meerwasserteich in die Innenstadt. In Erinnerung bleibt der große grüne Park Municipal Garcia Sanabria mit der Blumenuhr (bei Pensionisten sehr beliebt) und der Plaza del General Weyler. In Erinnerung bleibt auch die typisch spanische Musikuntermalung und die fröhliche Stimmung in der Stadt.

Unzählige Straßencafes laden zum Verweilen ein, herrlich. Ein Geheimtipp! 🙂

Dann erreichen wir die Calle Castillo, die lange Einkaufsstraße, eine Fußgängerzone. Dort verliere ich in den nächsten drei Stunden meine gesamte Energie für den Tag.

Diese Gasse hat es wirklich in sich, ein Shopping-Paradies. Man sieht die Touristenmänner auf den Bänken vor den Geschäften sitzen und geduldig warten. Ab und zu flitzt eine Touristenfrau mit leuchtenden Augen aus einem der Konsumtempel, übergibt freudenstrahlend dem Mann ein volles Sackerl und schon verschwindet sie im nächsten Geschäft.

Irgendwann sind wir die Kremsergasse von Santa Cruz dann doch durch und schaffen es mit letzter Kraft noch zum Mercado de Nuestra Senora de Africa, dem großen Markt im arabischen Stil. Sollte man auch gesehen haben!

Am späten Nachmittag zurück am Schiff ein Nickerchen, als plötzlich der Steward erscheint. Wir scheinen erkannt worden zu sein, eine Einladung auf die Brücke, welch hohe Ehre! Unser Kapitän Andreas Greulich, fünfzehn Jahre mit dem „Traumschiff“ unterwegs, zeigt uns die Instrumente und stellt seine Crew vor. Leider darf man nicht fotografieren, aber ein schnelles Selfie ist drinnen.

Dann wache ich erschrocken auf. Das mit der Brücke scheine ich geträumt zu haben, der Kapitän ist uns in Wirklichkeit beim Betreten des Schiffes auf der Treppe begegnet. Ein sehr netter Mann, war auf dem Weg zum Konsul und hat sich trotzdem kurz für uns Zeit genommen!

Das Auslaufen verzögert sich um eine Stunde, um 20 Uhr legen wir ab und verlassen Teneriffa. Wir kommen wieder! 🙂

#8 Auf in den Norden

Zwei weitere Erholungstage auf See – Seetag 3+4

Einen schönen Nachmittag, hier spricht ihr Kapitän.

Gestern Nacht um 21 Uhr bekam ich bereits die Meldung „Zero-Zero“, das bedeutet, alle Passagiere und alle Besatzungsmitglieder waren wieder an Bord. Das ist eher ungewöhnlich, weil ja noch eine Stunde mehr Zeit für das Bording gewesen wäre.

Nach einigen Diskussionen mit der Hafenleitung in Dakar durften wir dann um Mitternacht mit einer Stunde Verspätung ablegen und wieder in See stechen. Unser neuer Kurs ist 358 Grad, unser Ziel Santa Cruz auf Teneriffa. 879 nautische Meilen und zwei weitere sonnige Seetage liegen vor uns.

Unser Schiff hat 100.000 Tonnen, derzeit fahren wir mit einer großen und einer kleinen Maschine ganz gemütlich, mit 36.000 dieselelektrischen PS. Die große Schrauben haben übrigens 6 Meter Durchmesser.

Der Nordostpassat, unser ständiger Begleiter, kommt nun direkt von vorne, er hat etwas an Stärke verloren. Da sich der Fahrtwind dazu addiert wird es heute sehr windig an Deck, die „scheinbare“ Windgeschwindigkeit beträgt über 80 km/h.

Weil gerade Zeit ist, ein paar Erfahrungen und Tipps, die wir bei unserer ersten Kreuzfahrt gesammelt haben, und die vielleicht interessant sein könnten:

Die „richtige“ Deck- und Kabinenwahl

Zunächst mal grundsätzlich: Innenkabinen mit Balkon gibt es nicht. 😉 Im Ernst, Freunde der Seefahrt, wenn schon, dann gleich eine Balkonkabine buchen. Der Aufpreis ist gut investiert. Erstens kann man bei offener Balkontür schlafen, das ist gesund (Seeluft) und schlägt der Klimaanlage (die sich nicht abstellen lässt) ein Schnippchen.

Zweitens gibt es nix schöneres als am frühen Morgen auf den eigenen Balkon treten zu können um mal zu schauen, wo man gerade ist.

Drittens hat man zusätzliche Privatsphäre, wenn man auf der richtigen Seite ist sogar Sonne und bequeme Liegesessel. Auf den TUI MEIN SCHIFF sogar mit Kaffeemaschine in der Kabine.

Und viertens: Bei welchem Verkehrsmittel hat man sonst die Möglichkeit, bei voller Fahrt vor die Tür zu treten? 😉

Und nun zum Deck: Grundsätzlich – je höher, desto besser. Meiden sollte man nur das oberste Passagierdeck, weil es da lauter sein kann (weil ja drüber Remidemi herrscht). Von weiter oben sieht man besser im Hafen und hat weniger Gischt bei rauer See. Weiter unten ist es lauter und beim untersten Passagierdeck schaut man direkt auf die Rettungsboote.

Backbord oder Steuerbord? Das kommt auf die Route an. Die Kabine möglichst Richtung Süden ist immer besser, bei einer Atlantikkreuzfahrt rüber nach New York würde ich z.B. nicht Steuerbord wählen. Ob das Schiff im Hafen Backbord oder Steuerbord anlegt, das weiß man oft nicht so genau. Bei vielen Häfen wechselt das auch.

Hier noch eine Karte unseres nächsten Ziels der Reise:

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#7 Dakar, Senegal

Dakar – tief im Senegal

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Die Ankunft in Afrika

Früh Morgens kommen wir in Afrika an. Wir liegen wieder mitten im Containerhafen, rundum werden große Frachtschiffe be- und entladen.

Auch Dakar, die Hauptstadt des Senegals, ist kein typisches Ziel für Kreuzfahrtsschiffe. Es ist laut, staubig und schwül, an die Gerüche hier im Hafenbereich muss man sich auch erst gewöhnen. Es riecht nach Diesel, Schweröl und Kunstdünger.

Dakar ist mit etwa 3,5 Millionen Einwohnern (so genau weiß man das nicht) eine afrikanische Großstadt mit allen typischen Begleiterscheinungen.

Afrikanische Lebensfreude, gepaart mit Inshalla. Unser senegalesischer Guide drückt es so aus: Am Morgen wird hier langsam gearbeitet, zu Mittag wenig und am Abend gar nicht. 😉 Ganz kann ich das nicht bestätigen, am Frachter gegenüber wird Tag und Nacht gewerkt.

Der Islam dominiert im Senegal mit 80 %, an jeder zweiten Ecke sieht man eine Moschee. Eine Kirche können wir auch entdecken. Der Senegal ist aber demokratisch und zeichnet sich dadurch aus, dass die Wahlverlierer die Wahlen bisher immer anerkannt haben und es nach der Wahl zu keinen blutigen Konflikte kam. Die Volksgruppen und Religionen leben hier weitgehend friedlich zusammen, es gibt aber wie fast überall in Afrika hohe Armut und hohe Arbeitslosigkeit.

Das Land ist extrem flach (die höchste Erhebung mit 100 Metern oder so) und im Moment sehr trocken, da derzeit keine Regenzeit.

Pünklichst startet unser kleiner Halbtagsausflug heute morgen mit einem großen Bus, vorbei an dutzenden Senegalesen, die Souveniers verkaufen. Das Abiente: Schäbig und trostlos.

Wir verlassen den Hafen in Richtung Süden und fahren durch die Stadt. Viel besser wird es augenscheinlich nicht. Müllberge, dichter Verkehr, Menschentrauben. Schnell wird uns klar, dass wir am Nachmittag und Abend den geschützten Bereich des Schiffes auf eigene Faust lieber nicht verlassen werden. Inshalla.

Unser Ziel heute ist der Bandia Wildpark. Quasi eine kleine Mini-Schnupper-Safari steht auf unserem Reiseplan.
Die Flora und Fauna des Senegal lässt sich am besten in den Nationalparks und Reservaten des Landes beobachten. Ein bekanntestes Reservat ist das Bandia Wildlife Reserve.

Aufgrund einer Privatinitiative entstand das Bandia-Reservat im Westen des Senegal. Im Jahr 1990 wurde es als eine Art Freiluft-Zoo mit 35 km² Fläche gegründet, in dem sich viele importierte Tiere der afrikanischen Savanne tummeln:

  • Kudu
  • Impala
  • Elena-Antilopen
  • Krokodile
  • Zebras
  • Nashörner
  • Flusspferde
  • Giraffen
  • Gazellen
  • Warzenschweine
  • Affen
  • etc.

Bandia Location

Das kleine Reservat befindet sich etwa 65 km südöstlich von Dakar und ist als Tagesausflugsziel beliebt. Man fährt ca. eine Stunde großteils auf einer neuen Autobahn.

Hier im Bandia Reservat hat man es geschafft, einen Teil der ehemaligen einheimischen Tiere wieder anzusiedeln, die bereits seit Jahrhunderten durch Wilderei und Bevölkerungswachstum aus der Region verschwunden sind.

Das von der Gesellschaft für den Schutz der Umwelt und der Wildtiere in Senegal (SPEFS = Societé pour la protection de l’Environnement et de la Faune au Sénégal) geleitete Reservat ist die erste Zuchtstätte für Großtiere im Senegal und den angrenzenden Staaten. Der Betreiber nimmt damit direkt an der Erhaltung der Savannen und ihrer natürlichen Umwelt in Westafrika teil.

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Auf staubigen, roten Pisten fahren wir in großen offenen Jeep-Lastwagen durch die von mächtigen Baobab-Bäumen dominierte Savannenlandschaft Bandias. Hier im Park ist es sehr gepflegt, kein Müll wie sonst an jeder Ecke.

Der Baobab oder auch Affenbrotbaum ist der tonangebende Baum der afrikanischen Trockensavanne. Sein kurzer, dickleibiger Stamm ist ein natürlicher Wasserspeicher, er ist innen hohl. Das weiche Holz der Baobabs enthält bis zu 16 % Prozent Wasser.

Von der Tierwelt Afrikas bekommen wir im Bandia Naturreservat so einiges zu sehen. Zwischen dornigem Gestrüpp und üppiger Vegetation stehen kleine Antilopen-, Gazellen- und Zebraherden.

Angeblich mehr als 20 afrikanische Großtierarten sind hier anzutreffen, einige davon bekommen wir zu Gesicht. Ein Teil des hier anzutreffenden Tierbestandes wurde aus Südafrika eingeführt. Elefanten gibt es hier nicht, und natürlich auch keine Raubtiere.

Die Fahrt durch den Park macht Spaß und ist sehr kurzweilig. Wer sich noch an den Safaripark in Gänserndorf erinnern kann, so ähnlich ist es hier auch. Nur sind wir halt mitten in Afrika, und nicht mitten im Marchfeld, und das ist dann doch eine Spur stimmiger und artgerechter. 😉