#5 Cabo Verde – Kapverdische Inseln

Cabo Verde – Kapverdische Inseln

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Coronelli, Vicenzo Mari, 1690

Die Kapverden bestehen aus fünfzehn Inseln, von denen neun bewohnt sind. Sie liegen ca. 570 Kilometer vor der Westküste des afrikanischen Kontinents, ca. zwei Flugstunden südlich der Kanaren, für uns Kreuzfahrer sind das zwei Seetage.

Die Inseln werden unterteilt in die sogenannten „Ilhas de barlavento“ – die Inseln über dem Wind, wozu die Inseln Sao Vicente und Santo Antão gehören und in die „Ilhas de sotovento“ – die Inseln unter dem Wind. Dazu gehört unter anderem die Hauptinsel Santiago.

Programm:
Wir werden zunächst die Insel Sao Vicente anlaufen und in der Hauptstadt Mindelo anlegen, eine der ‚Inseln über dem Wind‘. Auf der Nachbarinsel Santo Antão haben wir eine Jeep-Fahrt gebucht.

Morgen geht es weiter nach Praia auf die Insel Santiago, der größten ‚Insel unter dem Wind‘. Praia ist die Hauptstadt der Kapverden und bedeutet schlicht: Strand.

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Geschichte, Geografie, Klima und Bevölkerung

Die Kapverdischen Inseln waren lange Zeit unbewohnt. Erst im 15. Jahrhundert wurden sie von portugiesischen Seefahrern „entdeckt“. Wegen ihrer Lage auf halbem Weg zwischen Afrika und Amerika waren sie „ideal“ geeignet als Umschlagpunkt für den Sklavenhandel und danach mehr als ein halbes Jahrtausend lang ein strategischer Brückenkopf in Portugals Kolonialreich.

Drei Viertel der heutigen Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre alt, die durchschnittliche Kinderzahl beträgt fünf Kindern pro Familie. Heute werden die Kapverden von einem Vielvölkergemisch aus Menschen mit gambischen, senegalesischen und sierra-leonischen Wurzeln bewohnt, die im Gegensatz zu ihren westafrikanischen Brüdern weitgehend ohne Streit zusammenleben. Weil es auf den Kapverden auch nichts zum Streiten gibt, weder Öl noch Gold, keine Diamanten und keine Smaragde. Leider auch sehr wenig Wasser, wie wir bald feststellen werden.

Die Inseln sind allesamt vulkanischen Ursprungs, die höchste Erhebung ist der Pico do Fogo mit 2.829 m.ü.M. Der letzte Ausbruch auf Fogo ist noch nicht allzulange her, und zwar 1995.

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Pico de Fogo – der höchste Berg der Kapverden

Das tropische Klima macht die Kapverden zu einem Ganzjahresziel. Es gibt unglaubliche 350 Sonnentage im Jahr bei Temperaturen zwischen 21 und 29 Grad. Das ganze Jahr Sommer, aber auch viel Wind!

Essen und Trinken

Was auf den Tisch kommt, bestimmt der Geldbeutel: Mais und Bohnen für die einen, Langusten für die anderen. Aus Mais, Hülsenfrüchten und Gemüse werden schmackhafte Eintöpfe (Cachupa) zubereitet, je nach Region gibt es verschiedene Fleisch – bzw. Fischeinlagen dazu. In Praia wird das einheimische Bier gebraut mit dem wunderschönen Namen: Strela – Stern. Aus Zuckerrohr wird überall von den Bauern Rum gebrannt: Grogue. Die süße Variante, z.B. mit Orangenscheiben heißt Ponce. Auf Fogo wird Weinbau betrieben und zwar schon seit dem 16. Jahrhundert. Heute gibt es den „Vinho Cha“, der rund um die Caldera des Pico do Fogo angebaut wird. In den Lokalen der Inseln kann man ihn fast überall auf der Getränkekarte finden.

Mittwoch, 11. April
Ankunft in Mindelo, Sao Vicente, Tagesausflug nach Santo Antao

Insel São Vicente – Hauptstadt Mindelo

São Vicente gehört zu den kleineren und trockeneren Inseln der Kapverden.

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Wer von São Vicente spricht meint eigentlich Mindelo. Eine idyllische Hafenmetropole mit einem eindrucksvollen Naturhafen, der einst als Welthafen Ruhm erlangte und für sämtliche große Seefahrer der Weltgeschichte als Zwischenstopp für die Weiterreise nach Nord- und Südamerika diente. Eigentlich ist der Hafen ein Vulkankrater, ähnlich wie Santorin.

Mindelo gilt als die kulturelle und musikalische Hauptstadt der Kapverden und ist eine lebhafte Hafenstadt, wo sich Musiker, Künstler, Schriftsteller und Segler aus aller Welt in schummerigen Musikkneipen treffen um über Gott und die Welt zu philosophieren.

Mindelo steht für Musik, Kultur und Karneval. Der alljährlich im Februar statt findende Carneval do Mindelo ist ein unvergessliches Spektakel, das dem Karneval in Rio sehr nahe steht. Mindelo ist auch für sein impulsives Nachtleben bekannt. Diverse Bars, Hafenkneipen und Discotheken werden insbesondere an den Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden besucht.

Die Bauten im portugiesischen und englischen Kolonialstil verleihen der Stadt ein zusätzliches Flair.

Um 6 Uhr ist heute Tagwache, da ist es noch stockfinster. In der Morgendämmerung kommt nach zwei Seetagen endlich Land in Sicht!

Kein Problem für uns, weil wir gestern die Uhr schon wieder eine Stunde zurück stellen mussten. Damit sind wir nun schon drei Stunden hinten. Hier gehen die Uhren definitiv anders!

Schon um 1/2 7 Uhr hat der Kapitano den Kahn im herrlichen Krater-Naturhafen von Mindelo fachgerecht angelegt, um 7:05 treffen wir uns bei der TUI-Bar zum gebuchten Landausflug. Wir sind auf einem deutschen Schiff, und da ist man pünktlich. Dann heißt es mal warten, wir sind ja nicht in Deutschland, wir sind auf den Kapverden! 😉

Ein kleiner Bus bringt uns einmal um den Hafen herum und wir steigen in die Fähre auf die Nachbarinsel Santo Antao. Eine volle Stunde dauert die Überfahrt, und bei diesem Wellengang hätte sie auch nicht länger dauern dürfen. Windstärke 8, erfahren wir später vom Kapitän, das ist schon heftig. Nix für Landratten!

Insel Santo Antão – Porto Novo

Wenig später werden wir in Porto Novo in Pickups mit Sitzbänken auf der Ladefläche verfrachtet und ab geht die Fahrt in die Berge.

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Die Stadt und die Dörfer sind hier sehr schmucklos, ab und zu sieht man kreolisch bunte Fassaden. Meist aber unverputzt. Irgendwie glaubt man in einer sehr verarmten Karibik gelandet zu sein.

Das Hauptproblem hier: Es gibt hier so gut wie keine Quellen. Wenn es mal regnet, dann die gesamte Jahresregenmenge in zwei Tagen, und dieses Wasser läuft 1:1 ins Meer, wie man sich anhand der ausgetrockneten „Regenwasserbette“ gut vorstellen kann. Eigentlich unglaublich, wie hier Menschen leben können, in dieser kargen Mondlandschaft.

Das Wasser wird kanisterweise mit Eseln aus der Hauptstadt in die schmucklosen Bergdörfer heraufgebracht. Wir sehen vulkanisch gepräge Landschaften, Geröllhalden, spitze Berge, einige „Oasen“, viele Ziegen und Esel.

Viele kleine Kinder winken uns Exoten fröhlich zu, nur ganz wenige strecken die Zunge heraus. Der Tourismus steht hier noch ganz am Anfang, keine Hotels, keine Restaurants. Die dunkelhäutigen Kreolen sind extrem freundlich, es existiert fast keine Kriminalität auf den Kapverden. Zu 95% leben hier Katholischen friedlich zusammen, ein Mitbringsel der Portugiesen.

Nachdem wir den höchsten Punkt mit 1.400 Metern erreicht haben, geht es auf der anderen Seite im Norden wieder hinab zur Küste. Der Höhepunkt unseres Ausflugs: Ein gewaltig schöner schwarzer Traumstrand mit mächtiger Brandung. Dort gibt es Picknick.

Der Rückweg über die Berge ist extrem schlecht ausgebaut, ein besserer Eselspfad. Wir fressen jede Menge Staub hinten am Sozius und sind dann sehr froh nach einer stürmischen Überfahrt endlich die Dusche in unserer Kajüte benutzen zu können.

Es war interessant, aber wir hätten uns die Insel Santo Antao aufgrund der Beschreibung im Reiseführer doch grüner vorgestellt. Eine Wanderinsel mit sprödem Charme für Hartgesottene.

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Donnerstag, 11. April
Ankunft in Praia, Santiago, Inselrundfahrt

Insel Santiago – Die Wiege der kreolischen Kultur

Santiago ist die größte, bevölkerungsreichste und geschichtsträchtigste Insel der Kapverden. Von den insgesamt 300‘000 Einwohner Santiagos leben etwa 180‘000 in der Hauptstadt Praia.

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In Santiago nahm die Geschichte der Kapverden ihren Lauf, als portugiesische Kolonialherren im 15. Jahrhundert ihre erste Niederlassung in Cidade Velha, auch Ribeira Grande genannt, gründeten. Cidade Velha, die ehemalige Hauptstadt der Kapverden, gilt als Geburtsort der kreolischen Kultur und ist mittlerweile als UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen worden.

Ein altes Fort, diverse Ruinen und Kirchen sowie ein Pranger erinnern noch an die Sklavenzeit vergangener Tage.

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Hauptstadt Praia

Santiago bietet neben Cidade Velha noch eine Vielzahl an interessanten Sehenswürdigkeiten und Wandermöglichkeiten. Insbesondere der Nationalpark Serra Malagueta im Hochland von Santiago, eignet sich hervorragend zum Wandern. Die beschilderten Wanderungen sind nach Schwierigkeitsgrad und Dauer eingestuft und bieten für jeden eine geeignete Route.

Ein Ausflug zum größten Baum der Kapverden gehört zu den Attraktionen Santiagos. Dieser 500 Jahre alte Kapokbaum mit einem Umfang von sagenhaften 40 Meter imponiert durch seinen gewaltigen Baumstamm.

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Einen Einblick in die kapverdische Geschichte erhalten Sie bei einem Besuch der Rabelados. Die Rabelados haben sich in den 1940-er Jahren den Bestimmungen der portugiesischen Kolonialherren widersetzt und sind in Berge Santiagos geflüchtet. Noch heute ist die Mehrheit der Rabelados der ursprünglichen und traditionellen Lebensweise treu geblieben und verdient ihren Unterhalt mit Kunsthandwerk und Landwirtschaft. In den letzten Jahren hat sich insbesondere die jüngere Rabelado-Generation weitgehend der Bevölkerung geöffnet.

Im Norden der Insel liegt das verträumte Fischerdorf Tarrafal mit seinem berühmten Palmenstrand. In Tarrafal steht noch ein altes ehemaliges Konzentrationslager, das an die Zeit der portugiesischen Herrschaft erinnert.

Nicht weit von Tarrafal liegt der schöne Strand Ribeira da Prata (z.Dt.: Silbernes Flussufer), der durch seinen silbern schimmernden Sand zu diesem Namen kam.

Unsere Tour startet heute um 8:20 Uhr, in einem Kleinbus fahren wir vom Containerhafen in die Altstadt von Praia. Es kommen nur ganz selten Kreuzfahrtsschiffe auf die Kapverden, daher der Containerhafen.

Unser Guide macht mit uns einen kleinen Stadtrundgang, der nette Obst- und Gemüsemarkt bleibt uns in Erinnerung. Und die klassischen Kolonialhäuser samt netter Pfarrkirche. Sehr karibisch anmutend.

Weiter geht die Busfahrt zur Festung Forte Real Sao Filipe mit wunderschönem Blick auf die alte Hauptstadt Cidade Velha, dem damals wichtigsten Sklavenumschlagplatz.

Dann geht es hinunter in die alte Hauptstadt.

Die berühmte Rua Banana vermittelt einen berührenden Eindruck, wie es hier im 16. und 17. Jahrhundert ausgesehen hat.

Hier am Hauptplatz steht noch der Pranger (Pelourinho) von damals. Einige Einheimische verkaufen selbstgemachtes, aber alles noch ohne jede Aufdringlichkeit.

Läge unser Schiff nicht vor Anker, wäre nun wohl auch kein einziger potentieller Kunde hier.

Nach der Besichtigung der sehenswerten Kirche Nossa Senhora do Rosario von 1495 fahren wir weiter zum Mittagessen auf 800 Meter Seehöhe in eine Bustaverne mit herrlichem Rundumblick auf die Berge.

Es ist auf Santiago zwar auch schon ewig kein Regen mehr gefallen, aber es dürfte eine Spur mehr Wasser geben. Die Hänge sind etwas dichter besiedelt, und man sieht eine Spur mehr Grün.

Der Besuch eines Botanischen Gartens, den man nicht gesehen haben muss. Prompt kommt es zu einer gesalzenen Beschwerde bei der Reiseleitung (dem armen Guide) und zur entschlossenen Streichung des Trinkgeldes der besserwisserischen (vermutlich) pensionierten Lehrerin aus dem Ruhrgebiet. Was zu erwarten war, wenn man ihren Ausführungen den ganzen Tag gelauscht hat.

Es war ein interessanter Tag auf Santiagos, um 16:15 Uhr checken wir wieder am Schiff ein, voller neuer Eindrücke. Um 18:30 Uhr stechen wir heute bereits in See, diesmal in Richtung Osten, in Richtung Senegal, Afrika.

Adeus Cabo Verde!

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