#3 Leinen los!

Steuermann, halt‘ das Schiff nicht an!

Das Abenteuer beginnt für uns ‚First Time Cruiser‚, wir stechen endlich in See, Ahoi!

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Zwei Tage haben wir nun Zeit unser „schwimmendes Hotel“ zu erkunden und uns an Bord einzuleben.

Die Anreise

Letzte Reihe 31 im Flieger A320-214, erstmals Eurowings (nix mehr gratis an Bord, außer atmen und aufs Klo gehen), kein Fenster hier hinten im Raucherbereich, dem ehemaligen. Vorteil: Kein Hintermann kann einem ins Kreuz treten. Liebe Grüsse an den Toni und seine liebe Gattin, so ein Zufall, die nette Plauderei hat uns die Wartezeit am Flughafen wie im Flug vertrieben.

Wir starten fast pünktlich um 8:30 Uhr und kommen nach einem teilweise sehr holprigen Flug 4 Stunden und 50 Minuten später in Las Palmas, Gran Canaria an. Perfekte Landung. Es ist windig, relativ kalt und – es regnet sogar. Das haben wir aber nicht gebucht!

Der TUI-Transferbus bringt uns schnurstracks zum Hafen, Fahrzeit ca. 30 Minuten, Industriegebiete, Hochhäuser soweit das Auge blickt. Das Gepäck haben wir in den Bus geräumt, es wird bis in die Kajüte durchgecheckt. Nicht schlecht, sehr praktisch.

Sehr netter, freundlicher und professioneller Empfang beim Terminal vor dem Schiff, im Hintergrund könnte man es fast für ein Riesenhotel halten. Pässe abgeben, Fotos zur Identifikation werden gemacht, man bekommt die Bordkarte und Infos. Alles völlige stresslos. Dann Durchleuchtung fast wie am Flughafen und endlich betreten wir auf Deck 2 das Schinackl und beginnen es zu erkunden.

Rauf auf Deck 12, der Vorsatz, die nächsten 14 Tage nur die Treppen zu benutzen und die Lifte zu meiden, gerät gefährlich ins Wanken. Und das schon am ersten Tag beim Betreten des Schiffes. Oida! Wir schaffen es irgendwie ins Buffetrestaurant Anckelmannsplatz und machen das, was man als erstes auf so einem Kreuzfahrtsschiff macht: Wir essen mal was.

Gestärkt erkundigen wir die oberen Bereiche des Schiffes, Deck 12, 14 und 15. Unser erster Eindruck: Legerer als gedacht, weniger nobel als erwartet. Aber alles wirkt sehr sauber, frisch und durchdacht. Die grellen Farben der Teppiche, naja, Geschmacksache. Ein tolles Schiff!

Um 21:45 findet die vorgeschriebene internationale Seenotrettungsübung statt, alle 336 vorgeschriebenen Passagiere finden sich beim vorgeschriebenen Sammelplatz, der Musterstation E (in der Schaubar) ein und dort sehen wir den vorgeschriebenen Sicherheitsfilm. Also nichts mit Schwimmwesten anziehen und an Deck stehen, so wie ich mir das vorgestellt habe. Volle Aufmerksamkeit und Disziplin. Wir sind eindeutig auf einem deutschen Schiff, auch wenn es in Finnland gebaut wurde und unter der maltesischen Flagge läuft.

Später meldet sich der Kapitano höchstpersönlich per Lautsprecher schiffsweit zu Wort und begrüßt seine Gästeschar. Ein alter Seebär, der 15 Jahre auf der MS Berlin und der MS Deutschland unterwegs war. Genau, er hat schon Sascha Heen sicher über die Weltmeere kurschiert!

Völlig unspektakulär und fast unmerklich legen wir um 22:45 Uhr ab, die Stabilisatoren sind wohl voll ausgefahren. 876 Seemeilen oder 1625 km liegen bis zu den Kapverdischen Inseln vor uns, der Wind kommt von seitlich hinten. Der Kapitän dreht die Nase gen Süden und wir stechen in See. Der Seefahrer sagt dazu: Das Schiff läuft vor Wind und See diese Nacht. In diesem Sinne: Gute Nacht und Schiff Ahoi!

Montag, 9. April 2018
Erster Seetag

Wir haben trotz hohem Seegang bei offener Balkontür sehr gut geschlafen. Das Schiff schwankt zwar merklich, aber man gewöhnt sich rasch daran. Es ist relativ kalt heute morgen (17 Grad), bewölkt und sehr windig (25 kn). Wir fahren wohl fast Vollgas gen Süden, 16,7 kn (30,6 km/h) zeigt der Tacho. 33.000 PS haben unsere vier Diesel-12 Zylinder zur Verfügung.

Es ist erstaunlich ruhig in der Kabine, von den Motoren ist hier auf Deck 7 fast nichts zu hören. Es vibriert auch nix, nur die Einrichtung knackt ein wenig.

Heute Nacht hat uns der Kapitän eine Stunde Zeit geschenkt, wir wissen gar nicht recht, was wir damit anstellen sollen. Die Fitnesskammer ist bereits um 8 Uhr gerammelt voll verschwitzter germanischer Leiber, im Pool wird Aqua-Gym geübt, nein – gedrillt. Kopfschüttelnd gehen wir vorbei und gönnen uns ein Nickerchen in der Himmel&Meer Lounge ganz vorne am Bug, Deck 12. Sehr entspannend!

Das Achterdeck ganz hinten zählt zu den schönsten Plätzen an Bord und hat eine besondere Magie. Das Schiff fährt vorwärts und man schaut rückwärts, auf das, was hinter einem liegt. Man blickt zurück, auf das was war. Aus aufgewühlter See wird ein stilles Band an Erinnerungen, das sich zum Horizont hin verliert. Der menschliche Körper besteht zu zwei Dritteln aus Wasser, das ist ja kein Zufall!

Der Balkon der Kabine bietet die wundervolle Möglichkeit, bei voller Fahrt vor die Tür zu treten.

Bei einem Tiefgang von 8 Metern und einer Wassertiefe von derzeit 3.412 Metern bleibt uns genug Platz. Die Wellenhöhe darf ich auch noch kurz durchgeben: 2-3 Meter. Und: Es wird wärmer … 😀

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