#2 Seemannsgarn

Das gefährlichste am Meer ist die Nähe zum Land.

Noch gefährlicher ist es, auf See die Seemannssprache nicht zu kennen. Das Seemanns-ABC. Das wäre fatal. Man würde sich auf einem Schiff nicht zurechtfinden oder gar als Landratte gelten.

Einiges haben wir ja schon gelernt: Die Urlauber nennt man an Bord eines Kreuzfahrtschiffes nicht Gäste, sondern Passagiere, die Hotelzimmer Kabinen. Man liegt zwar in bequemen Hotelbetten, aber eigentlich sind das Kojen. An Bord ist im Prinzip das Innere des Schiffes, egal ob über oder unter Deck – das sind die Böden des Schiffes, die Stockwerke. Der unterste Teil des Schiffes, quasi die Wirbelsäule, ist der Kiel.

Wenn man seine Kabine in Fahrtrichtung links hat, dann wohnt man Backbord, rechts ist demnach Steuerbord. Dort findet man uns derzeit. Der Chef, Hoteldirektor, Chauffeur der Schiffes ist der Kapitän, er darf auch Trauungen vornehmen, weil das Schiff unter der Flagge von Malta fährt. Steuertechnisch ist das auch besser. Ihn erkennt man an den vier Streifen am Ärmel. Den Kapitän findet man hoffentlich meist auf der Brücke, der Kommandozentrale des Schiffes. Sein Lenkrad nennt man übrigens Ruder, damit bringt er das Schiff auf Kurs, wenn er die richtige Peilung hat. Wobei, eigentlich ist es heutzutage ein Joystick, und kein Lenkrad. Der Kapitän fährt keine Kurven, er macht Manöver. Er schaut dabei nicht nach vorne, er schaut voraus.

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Kapitän Kjell Holm, MEIN SCHIFF 4

Der Erste Offizier ist der Vertreter des Kapitäns, er hat drei Streifen am Ärmel und muss oft Brückenwache schieben. Noch ärmer sind die zwei bis drei Zweiten Offiziere (zwei Streifen), die schieben angeblich ständig Wache. Selbst wenn der Kapitän die Brücke betritt, sind sie weiter voll für das Schiff verantwortlich, bis der Kapitän ausdrücklich wieder das Kommando übernimmt.

Die netten Balkone back- und steuerbords nennt man Brückennock. Hier steht der Kapitän beim Einparken im Hafen und schaut runter, wieviel Zentimeter das Schiff mit dem Bug- und Heckstrahlruder noch an die Fender (Puffer) der Kaimauer herangesteuert werden kann.

Der hintere Teil des Schiffes ist achtern, auch Heck genannt. Dort hinten findet man unter Wasser das Ruder. Vorne ist der Bug. An Bord kommt man über eine bewegliche Brücke, die Gangway. Das Geländer entlang des Schiffes oder auch des Gangways ist die Reling. Die windabgewandte (windstille) Seite des Schiffes ist die Lee, die windzugewandte Luv. Die Passagierliste ist das Manifest, nicht zu verwechseln mit einer öffentlichen Erklärung von Zielen und Absichten.

Bei hohem Seegang hält man sich am besten Mittschiffs auf – dem Mittelteil des Schiffes, dort gibt es die geringsten Bewegungen, da wird einem nicht so schnell schlecht. Schuld daran sind hohe Wellen. Schaukelt das Schiff in Längsrichtung, dann stampft es, Bug rauf, Heck runter. Seitliches schaukeln nennt man schlingern oder rollen. Dann ist einmal Backbord höher, einmal Steuerbord. Falls der Dampfer seine Spur nicht halten kann, also rhythmische Bewegungen nach links und rechts macht, dann nennt man das Gieren. Passiert das alles zur gleichen Zeit, dann wird man womöglich seekrank. Um diese Effekte zu mindern gibt es Stabilisatoren, das sind ausfahrbare „Stummel-Flügel“ unter Wasser. Schnaps kann auch helfen.

Kann das Schiff nicht im Hafen ankern, weil es zu groß, der Hafen zu klein oder kein vernünftiger Meeresgrund vorhanden ist (beispielsweise vor Santorin), dann wird man mit einem Beiboot an Land gebracht. Das Schiff liegt dann auf Reede und das Landungsboot nennt man Tender. Es könnte dann an Pollern (Pfählen) am Kai (Quai) festgebunden werden, das sind die Mauern am Hafen. Zodiac nennt man hingegen das kleine schwarze Schlauchboot mit Außenbordmotor.

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Eine Seemeile entspricht 1,852 km, 1.000 km sind demnach 540 Seemeilen. Die Geschwindigkeit eines Schiffes misst man in Knoten 1 kn = 1 sm/h = 1,852 km/h.
10 km/h sind daher zirka 4,5 Knoten. So ein Kreuzfahrschiff schafft bei Vollgas um die 22 Knoten, also etwa 40 km/h.

Die Windstärkenbereiche von 0 (Windstille) bis 12 (Orkan) werden nach der Beaufortskala (Bft) angegeben. Windstille nennt man auf See übrigens Flaute.

2 Bft ist beispielsweise eine leichte Brise (< 13 km/h oder 7 kn), als steifer Wind gilt Windstärke 7 (< 63 km/h oder 34 kn), der Sturm beginnt bei  9 Btf (< 90 km/h oder 48 kn).

Das Essen wird nicht in der Küche zubereitet, sondern in der Kombüse, wobei diese Bezeichnung den heutigen Küchen auf den Kreuzfahrtschiffen wohl nicht ganz gerecht wird. Die Besatzung, darunter auch die Matrosen, nimmt ihre Mahlzeiten in der Messe ein, ganz ohne geistlichen Beistand.

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Werden die Wellen mal etwas höher, spricht man gleich von Seegang. Hohe Wellen sind dann Brecher. Die Tanks des Schiffes sind übrigens die Bunker.

Die Abfahrt des Schiffes nennt man auslaufen, im Gegensatz zum ausschiffen: Da gehen die Passagiere über die Planke von Bord, aber nicht über Bord. Kommen sie an Land, dann meist zum Anlegeplatz, besser Pier oder Kai. Sie machen einen Landgang.

Wird das Schiff entladen, dann wird es gelöscht. Wenn es brennt, dann hoffentlich auch. Die Schotten werden dann dicht gemacht, das sind die wasserdichten Trennwände innerhalb eines Schiffes. Damit der Untergang geordnet abläuft, ist die verpflichtende ‚Seenotrettungsübung‘ vorgeschrieben, sie nennt man Drill.

Und was ist nun eigentlich der Unterschied zwischen einem Boot und einem Schiff?
In ein Boot steigt man, wenn das Schiff untergeht. 😉

 

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